Tradition mit sozialem Mehrwert: Bundeswehr eröffnet Erbsensuppenstand auf dem Flensburger Weihnachtsmarkt
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Kurz vor dem ersten Advent wird in Flensburg eine liebgewonnene Tradition fortgesetzt: Am Freitag, 28. November 2025, um 11 Uhr eröffnen der Standortälteste der Bundeswehr, Kapitän zur See Jens Martin, und Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer den Erbsensuppenstand der Bundeswehr in der Nikolaistraße nahe der Holm-Passage. An den ersten drei Adventswochenenden geben Soldatinnen und Soldaten dort wieder Erbsensuppe aus der Feldküche an Flensburgerinnen, Flensburger und Gäste aus.
Oberbürgermeister Geyer betont die Bedeutung der Aktion für die Stadt:
„Wir werden schon ab Herbst gefragt: Kommt der Erbsensuppenstand wieder?“, sagt Geyer. „Der Stand ist fester Bestandteil unseres Angebots in der Innenstadt – kulinarisch, sozial und für die Belebung der Vorweihnachtszeit.“
Zugleich hebt er den Mehrwert für die Innenstadt hervor: „Es ist eine schöne Symbiose: Die Menschen kommen wegen der Suppe, bleiben aber oft noch in der Stadt, bummeln über den Weihnachtsmarkt und nehmen Flensburg noch einmal ganz bewusst wahr.“
817.000 Euro Spenden seit 1977
Der Erbsensuppenstand der Bundeswehr hat in Flensburg eine lange Geschichte: Seit 1977 unterstützt der Standortälteste mit dem jährlichen Erlös soziale Einrichtungen und Projekte in Flensburg und Glücksburg. In den vergangenen 48 Jahren konnten insgesamt rund 817.000 Euro weitergegeben werden – unter anderem an die Stadt Flensburg, die Stadt Glücksburg, die Soldatenhilfswerke der Bundeswehr e. V., den Förderverein Flensburger Hospiz e. V., das Flensburger Spendenparlament und den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.
Die Stadt Flensburg setzt die Mittel gezielt für Vereine, Initiativen und Projekte im gesamten Stadtgebiet ein, die keine regelmäßige Förderung erhalten. In diesem Jahr stehen 10.000 Euro für neue Projekte zur Verfügung, die im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen.
„Die Bevölkerung ist unglaublich spendenbereit“
Die Suppe wird nicht verkauft, sondern gegen freiwillige Spenden ausgegeben. Für Stabsbootsmann Patrick Goulnick, Standortfeldwebel des Standortbereiches Flensburg, ist das Modell ein voller Erfolg:
„Wir waren sehr positiv überrascht. Wir hätten nicht gedacht, dass wir mit freiwilligen Spenden auf die gleiche Summe kommen wie mit festen Preisen“, sagt Goulnick. „Aber die Bevölkerung ist tatsächlich so spendenwillig, dass es keinen Unterschied macht – ob verkauft oder gespendet wird.“
Jeder könne geben, was er könne, ergänzt er: „Jeder spendet so, wie er kann, und hilft damit anderen. Wer zusätzlich etwas für die Umwelt tun will, bringt einfach ein eigenes Gefäß mit – dann sparen wir uns auch noch die Einwegschalen.“
750 Liter pro Tag – gekocht in der Feldküche Jagel
Die Erbsensuppe stammt aus der Truppenfeldküche in Jagel. Die Erbsen werden bereits im Vorfeld eingeweicht, der eigentliche Kochvorgang beginnt in den frühen Morgenstunden. „Der Feldküchentrupp fängt gegen 4 Uhr morgens an zu kochen“, erläutert Goulnick. „Es ist nicht die normale Küchentruppe, sondern ein richtiger Feldküchentrupp, der in alten Kochern diese große Menge zubereitet – und genauso schmeckt die Erbsensuppe dann auch.“
Pro Ausgabetag stehen rund 750 Liter Suppe bereit. Die Ausgabe startet jeweils freitags und samstags um 11 Uhr, meist ist zwischen 13.30 und 14 Uhr alles vergriffen – an besonders gut besuchten Tagen manchmal sogar schon nach einer Stunde.
Die Ausgabe übernehmen im Wechsel das Ausbildungszentrum Cyber- und Informationsraum (Außenstelle Flensburg), die Marineschule Mürwik sowie die Liegenschaft Glücksburg-Meierwik (ehemaliges Flottenkommando). Die Aktion hat inzwischen Strahlkraft weit über die Region hinaus: „Wir bekommen Anrufe aus Neumünster, Lübeck und anderen Orten, wo man genau wissen möchte, an welchen Tagen wir hier sind“, berichtet Goulnick. „Viele kommen gezielt wegen der Erbsensuppe nach Flensburg.“
Motto: „Alt und Jung gemeinsam – Traditionen bewahren und Zukunft gestalten“
Mit dem diesjährigen Spendenaufkommen werden 2026 Projekte gefördert, die dem Motto
„Alt und Jung gemeinsam – Traditionen bewahren und Zukunft gestalten“
entsprechen. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass mindestens zwei Akteure – etwa Vereine, Initiativen, Einrichtungen oder Gruppen – gemeinsam ein Projekt planen und durchführen.
Kapitän zur See Jens Martin, Standortältester und Leiter Lehre sowie stellvertretender Kommandeur der Marineschule Mürwik, sieht darin eine ideale Klammer:
„Nach 48 Jahren, die wir hier mit unserem Erbsensuppenstand präsent sind, kann man mit Recht von Tradition sprechen“, sagt Martin. „Mit den Spenden unterstützen wir Projekte, von denen Jung und Alt profitieren – damit bewahren wir nicht nur Tradition, sondern gestalten auch Zukunft.“
Gefördert werden Aktivitäten, Aktionen, Veranstaltungen und Angebote, die mindestens eines der folgenden Ziele verfolgen:
Kennenlernen und Kontaktförderung
Selbsterfahrung im Umgang mit anderen
Unterschiede akzeptieren und verstehen
Gemeinsamkeit herstellen
Zusammenarbeit unterschiedlicher Generationen und Kulturen
Wissens- und Kompetenzerwerb
Anträge können bis zum 31. Dezember 2025 bei der Stadt Flensburg eingereicht werden. Die Unterlagen sind per E-Mail an pflegeundkultur@flensburg.de oder telefonisch unter 0461 85-2522 erhältlich; die Antragsformulare stehen zudem auf der Internetseite der Stadt Flensburg zum Download bereit.
„Ein sichtbares Zeichen für Rückhalt in der Gesellschaft“
Für Martin ist der Andrang am Stand auch ein Gradmesser für die Akzeptanz der Bundeswehr:
„Wenn die Unterstützung in der Bevölkerung nicht da wäre, wäre der Stand leer – und das Gegenteil ist der Fall“, betont er. „Das zeigt, dass wir hier vor Ort einen echten Rückhalt in der Gesellschaft haben.“
Oberbürgermeister Geyer sieht das ähnlich: „Ich finde es großartig, wie gut Stadt, Bundeswehr und Bürgerschaft hier zusammenwirken. Die Erbsensuppe ist längst mehr als nur ein Imbiss – sie steht für Zusammenhalt, Engagement und ein Stück gelebte Flensburger Tradition.“
