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Teil 4 der Quarantäne Geschichte: Ein betroffener erzählt seine Geschichte

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Zwischen unzähliger Reklamezettel befindet sich auch ein schwerer, gelber Umschlag. Absender: Die Stadt Kiel. Oha! Wenn ich eines weiß, dann das man gelbe Umschläge ernst nehmen muss. Im Umschlag befindet sich neben vielen Informationsbroschüren über das Virus und einer Anleitung zum Fiebermessen, die offizielle Anordnung zur Quarantäne. Um ihrem Anliegen mehr Nachdruck zu verleihen, wird im Schreiben mit unfassbar horrenden Strafen gedroht, sollte ich während meiner Isolation die Wohnung verlassen. Da ist von Gefängnis die Rede! 5 Jahre! Und 25.000 Euro Geldstrafe. Im schlimmsten Fall! Soviel habe ich auch nur selten in Bar bei mir. Diese Strafen erinnern mich an die Werbekampagnen gegen Raubkopierer der frühen 2000er Jahre. Da singen Kinder ihrem Vater ein Geburtstagsständchen über die Mauern hinweg. Das kann ich meinen zukünftigen, noch ungeborenen Kindern nicht antun! Die Stadt kann sich beruhigen - ich werde brav zuhause bleiben denn nach Rebellion ist mir eh nicht.

Neben der ganzen Action, die man so in seiner Wohnung erleben kann, gibt es auch eine riesige Anzahl spannungsärmerer Aktivitäten. Zum runterkommen. Ich habe einen Hamster um den ich mich kümmern muss. Auch Ferdinand ist zwangsläufig mit mir in Quarantäne. Allerdings ist der pflegeaufwand überschaubar und mein nachtaktiver Hamster lässt sich tagsüber nicht blicken. Großartig spazieren waren wir 2 eh nie, das würde zu lange dauern bei seinen kurzen Beinen.

Um nicht so allein zu sein, habe ich das alte Vogelfutterhäuschen auf dem Balkon installiert. Einen passenden Sack mit der sog. „Meisen-Mischung“ hatte ich auch noch da. Im Prinzip habe ich keine Ahnung von Singvögeln. Ich kann gerade so eine Amsel von einer Eule unterscheiden. Bei Lerche und Lärche habe ich keinen Schimmer, wer von beiden der Vogel und wer der Baum ist. Wissenslücken. Aber das soll sich ändern. Nach Recherchen auf der NABU Seite bekomme ich mehr und mehr Übung beim Beobachten, identifizieren und dokumentieren der geflügelten Besucher meines Futterhäuschens. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich mir wie ein Rentner vorkomme. Und selbst die haben teilweise coolere Hobbys. Außerdem sind die Meisen wählerisch wie sonst etwas, picken sich die guten Sachen raus und verteilen den Rest großzügig auf dem Balkon. Dreckspatzen…

Ich habe es überlebt. Nach 8 Tagen, alleine mit mir selbst, meinem Kochbuch, meiner Challenge und meiner Yoga-Matte darf ich endlich raus. Entsprechend emotional, nehme ich den letzten Anruf des Gesundheitsamtes entgegen. Bleiben sie gesund Herr Lohreit! Das habe ich vor! Ich fühle mich wie jemand, der etwas ganz großes überstanden hat. Ich habe auf hohem Niveau gejammert. Meine Situation ließ sich natürlich nicht vergleichen mit derer, die tatsächlich erkrankt sind oder sogar jemanden verloren haben. Die ganze Zeit über hatte ich ein gutes Gefühl, dass sich um einen gekümmert wird. Die täglichen Anrufe vom Gesundheitsamt, die vielen Hilfsangebote durch Nachbarn, Freunde und Kollegen für mich einkaufen zu gehen etc. Ich habe auch gehört, dass es Scharen von Freiwilligen gibt, wie Pfadfinder, Vereine usw., die Hilfe während der Quarantäne anbieten. Sollte jemand mal nicht so gesellig sein und Kontakt zu anderen pflegen. Organisiert über Soziale Medien und unterstützt von den Städten und Gemeinden. Was für großartige Zeiten in denen wir leben! Nach der Arbeit werde ich erst mal spazieren gehen. Ich werde all die langweiligen Aktivitäten zelebrieren die ich jetzt nicht mehr missen möchte. Ende

Wir von Förde.news danken Jeff Lohreit für seinen einblick in einer Quarantäne-Zeit. Wir wünschen dir auch für die Zukunft, dass du immer Gesund bleibst.


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