Schulbank raus, Sofa rein: Ehemalige Schule wird zum Wohnquartier
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Manche Flensburgerinnen und Flensburger erinnern sich noch an die Künstlerinnen und Künstler, die vor Jahren in der Alten Schule in der Duburger Straße arbeiteten. In den ehemaligen Klassenräumen stellten sie aus und nutzten die Räume als Ateliers. Sie waren die letzten Nutzerinnen und Nutzer des historischen Gebäudes mit der Hausnummer 14, bevor die umfassende Modernisierung begann.
Inzwischen haben die ersten Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungsschlüssel erhalten. Mit dem Projekt „Skolegaarden“, heute „Skolehaven“ genannt, ist in der Flensburger Neustadt ein zentrales Stadtentwicklungsprojekt erfolgreich abgeschlossen worden. Auf dem Gelände der ehemaligen Sprachheilgrundschule am Fuße der Duburger Straße entstand neuer Wohnraum – und zugleich die Grundlage für den langfristigen Erhalt zweier bedeutender Baudenkmäler.
Ausgangspunkt war ein bundesweiter Wettbewerb im Jahr 2008 mit dem Titel „Zukunft planen: kostengünstiges, klimagerechtes Bauen und Wohnen im Bestand“. Nach intensiven planerischen Diskussionen und einer langen Suche nach Investoren beschloss die Ratsversammlung 2014, das nicht denkmalgeschützte Gebäude Duburger Straße 8 abzubrechen und das Projekt „Skolegaarden“ gemeinsam mit der Gewoba Nord Baugenossenschaft eG als Projektträgerin umzusetzen. Dieser Schritt erwies sich aus heutiger Sicht als richtig und wegweisend.
Für Markus Pahl, Geschäftsführer des Sanierungsträgers Ihrsan, ist das Vorhaben nach der Walzenmühle eine weitere Initialzündung für den Stadtteil. Investoren interessierten sich seither verstärkt für die Neustadt, sagt er.
Das Gebäude Duburger Straße 8 wurde 2015 abgerissen, noch im Dezember desselben Jahres erfolgte der Spatenstich für den Neubau. Entlang der Gartenstraße entstanden 95 Wohneinheiten.
Parallel dazu liefen die Vorbereitungen für die Modernisierung der denkmalgeschützten Gebäude Duburger Straße 10–12 und 14. Ziel war es, die geschichtsträchtigen, stark sanierungsbedürftigen Häuser denkmalgerecht zu restaurieren. Insgesamt wurden dort 18 Wohneinheiten geschaffen; in der Alten Schule zusätzlich Gemeinschaftsräume für die Mieterschaft.
Das Gebäude Duburger Straße 14 wurde zwischen 1878 und 1880 als ehemalige St.-Marien-Knabenschule II von Maurermeister H. V. Flügel errichtet. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Gelbsteinbau mit flachem Satteldach im Stil der Neugotik. Die Mittelachse wird durch einen breiten, reich gegliederten Eingangsrisalit mit Stufengiebel betont: Innerhalb einer spitzbogigen Blende liegt ein spitzbogiges Doppelportal, das über einer schweren Werksteinsäule mit Schildkapitell zu einer Eingangsvorhalle führt. Darüber sind drei schmale Obergeschossfenster in Spitzbogenblenden angeordnet. Im Medaillon über dem Eingang befindet sich ein Tondorelief eines knienden Engels in Frontalansicht, der ein Schriftband mit der Inschrift „Werdet stets weiser und besser“ hält. Beiderseits des Mittelteils sind in den durch ein Gesims getrennten Geschossen gleichmäßig Stichbogenfenster gereiht. Im Inneren prägen eine Eingangshalle mit Kreuzgratgewölben über romanisierenden Rundpfeilern sowie ein Schachttreppenhaus das historische Erscheinungsbild.
Das niedrigere Nachbarhaus mit der Nummer 10/12 ist das zweitälteste Gebäude Flensburgs. Es wurde 1797 als Wohnhaus für den Königlichen Zollkontrolleur im klassizistischen Stil errichtet. 1936 erfolgte der Umbau zur dänischen Gemeindeschule, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es als Sprachheilgrundschule genutzt.
Man habe bewusst versucht, die historische Raumstruktur zu erhalten, erklärt Burkhard Grote, Architekt und Geschäftsführer von „pmp projekt“. In der Regel sei aus einem Klassenzimmer eine Wohnung geworden. Vor allem die Einheiten in den Nummern 10 und 12 zeichnen sich durch sehr individuelle Grundrisse aus – und durch Details wie das sichtbar belassene Holz des Dachstuhls.
Besonders im Treppenhaus von Nummer 14 wird der Anspruch deutlich, Ursprüngliches aufzuarbeiten und zu bewahren. Dort wurden etwa die originalen Schultreppenstufen und Bodenfliesen sorgfältig aufgearbeitet und in das neue Nutzungskonzept integriert.
Die Sanierung im Bestand brachte jedoch einige Herausforderungen mit sich. Architekt Grote berichtet von Höhenunterschieden von bis zu 15 Zentimetern, die ausgeglichen werden mussten. Hinzu kamen Überraschungen während der Bauphase, etwa erst im Zuge der Arbeiten festgestellte Schadstoffbelastungen und notwendige Neugründungen von Bauteilen. Diese Faktoren führten zu Verzögerungen gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan und zu Mehrkosten.
Um den Erhalt der Denkmäler dennoch mit privaten Mitteln zu ermöglichen, war von Anfang an der Einsatz von Städtebaufördermitteln vorgesehen. Die Gebäude Duburger Straße 10–12 wurden mit einem Zuschuss von rund 3,6 Millionen Euro gefördert, die Nummer 14 mit rund 4,1 Millionen Euro. Der städtische Anteil beschränkt sich auf den jeweiligen Komplementäranteil im Rahmen der Städtebauförderung. Ein entsprechender Beschluss der politischen Gremien machte die Umsetzung der Baumaßnahme letztlich möglich.
Erstmals werden in diesem Projekt Städtebaufördermittel und Mittel der sozialen Wohnraumförderung kombiniert eingesetzt. Jede vierte Wohnung in der Hausnummer 10–12 ist sozial gefördert, in der Nummer 14 sogar rund 70 Prozent. Angesichts der Ergebnisse des langen Planungs- und Bauprozesses, so resümiert Markus Pahl, habe sich die Hartnäckigkeit aller Beteiligten gelohnt.