Regenbogenempfang eröffnet Flensburger Rainbowdays

 |  von Thomsen / Foerde.news

Wie schon in den letzten Jahren finden ab Mai die Rainbowdays statt - Fotos. Thomsen

Flensburg – Mit dem Regenbogenempfang am 27. April im Rathaus starten in Flensburg die diesjährigen Rainbowdays. Bis zum Christopher Street Day am 17. Mai sind mehr als 40 Veranstaltungen geplant. Inhaltlich setzen die Organisatoren einen Schwerpunkt auf queere Gesundheit – und verbinden das mit einem klaren Appell für Sichtbarkeit, Respekt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

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Mit dem Regenbogenempfang am Montag, 27. April, um 18 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses beginnen in Flensburg die diesjährigen Rainbowdays. Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom Gleichstellungsbüro der Stadt. Sie bildet traditionell den Auftakt der Aktionswochen, die am 17. Mai mit dem Christopher Street Day ihren Höhepunkt finden.

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Andreas Witolla vom FlensBUNT-Zentrum und vom Trägerverein „vielfalt SH e.V. “ ist der Empfang seit Jahren mehr als ein symbolischer Termin - Foto: Connor Bielfeldt

Für Andreas Witolla vom FlensBUNT-Zentrum und vom Trägerverein „Vielfalt SH e.V.“ ist der Empfang seit Jahren mehr als ein symbolischer Termin. Er verweist darauf, dass die Stadt damit seit 2015 sichtbar an der Seite der queeren Community stehe. Aus ersten Aktionen rund um den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit sei inzwischen ein Programm entstanden, das sich über Wochen erstrecke und in der Stadt fest verankert sei.

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Lea Pook vom Gleichstellungsbüro, die den Regenbogenempfang organisiert, betont, dass in diesem Jahr bewusst die queere Gesundheit in den Mittelpunkt rückt. Diskriminierung sei auch im Gesundheitssystem spürbar, sagt sie. Viele Betroffene machten die Erfahrung, dass es an Wissen über ihre Lebensrealitäten fehle – in Arztpraxen ebenso wie in der Psychotherapie. Das betreffe körperliche Fragen, etwa in der Gynäkologie oder bei Hormonbehandlungen, genauso wie psychische Belastungen, die aus Ausgrenzung und gesellschaftlichem Druck entstünden.

Genau daran knüpft das Programm des Empfangs an. Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist der Beitrag von Samson Grzybek, Gründer von Queermed Deutschland. Die Organisation setzt sich für diskriminierungssensible Gesundheitsversorgung ein und unterstützt Patienten bei der Suche nach respektvollen medizinischen Anlaufstellen. Unter dem Titel „Intersektional denken, systemisch handeln. Queere Gesundheitsversorgung als politische Aufgabe“ geht es um strukturelle Benachteiligungen und um die Frage, wie Teilhabe im Gesundheitssystem verbessert werden kann.

Witolla beschreibt die Lage vor Ort als unzureichend. Gerade trans Menschen seien oft mit langen Wartezeiten, fehlenden Anlaufstellen und weiten Wegen konfrontiert. Für Begutachtungen, Therapieplätze oder weiterführende Behandlungen müssten Betroffene häufig nach Kiel, Hamburg oder noch weiter fahren. Dabei, so seine Einschätzung, mangele es oft weniger an medizinischen Grundlagen als an Offenheit und Fortbildung. Vieles ließe sich vor Ort besser auffangen, wenn mehr Fachkräfte bereit wären, sich mit dem Thema intensiver zu befassen.


Lea Pook vom Gleichstellungsbüro, die den Regenbogenempfang organisiert, betont, dass in diesem Jahr bewusst die queere Gesundheit in den Mittelpunkt rückt. -  Foto: Connor Bielfeldt

Auch Pook macht deutlich, wie sensibel gerade der psychotherapeutische Bereich ist. Wer sich in einer ohnehin verletzlichen Lage Hilfe suche, dürfe dort nicht erneut mit Vorurteilen oder falschen Zuschreibungen konfrontiert werden. Nach ihrer Beobachtung schrecken genau solche Erfahrungen viele Menschen davon ab, sich Unterstützung zu holen. Umso wichtiger sei es, dass Ärzte, Therapeuten und andere Fachkräfte ein Verständnis für unterschiedliche Lebensrealitäten entwickelten.

Der Regenbogenempfang versteht sich deshalb nicht nur als gesellschaftlicher Auftakt, sondern auch als Ort für Austausch und praktische Impulse. Die Organisatoren hoffen ausdrücklich, dass auch medizinisches Fachpersonal die Veranstaltung nutzt, um Kontakte zu knüpfen und sich zu informieren.

Zum Programm des Abends gehören außerdem Grußworte von Janime Unicorn, Model und Drag Queen, von Oberbürgermeister Dr. Fabian Geyer sowie von Gleichstellungsbeauftragter Marie Sprute. Musikalisch begleitet wird der Empfang von Jule Sösemann mit ihrem Projekt „Hybrid“, das englisch-, dänisch- und deutschsprachige Singer-Songwriter-Elemente verbindet. Für die Gäste sind ein vegan-vegetarisches Buffet und Getränke vorgesehen. Erstmals wird die Veranstaltung zudem live in Deutsche Gebärdensprache übersetzt und damit barriereärmer gestaltet.

Dass die Rainbowdays inzwischen weit über einen einzelnen Empfang hinausgehen, zeigt das Programm der kommenden Wochen. Schon am 28. April beginnt im Museumsberg eine Ausstellung zu queeren Medien. Am 29. April folgt an der Universität Flensburg ein Vortrag zu queeren Widerstandsformen. Für den 30. April stehen mit einer Lesung im Volksbad und der „Queer & Friends Disco“ zwei weitere Programmpunkte an.

Im Mai setzt sich die Reihe mit Diskussionen, Gruppenangeboten und Kulturveranstaltungen fort. So gibt es am 9. Mai bei FlensBUNT unter anderem einen Abend zu Asexualität, ein Aro- und Ace-Treffen sowie einen queeren Kinoabend mit dem Film „Pride“. Am 13. Mai ist im Norder 147 ein Poetry-Slam- und Spoken-Word-Abend geplant, am 14. Mai eine queere Führung auf dem Museumsberg.

Der Höhepunkt folgt am 17. Mai mit dem Christopher Street Day. Startpunkt ist die Hafenspitze. Dort sind Demonstration, Straßenfest, Bühnenprogramm und Informationsstände vorgesehen. Witolla betont, dass die Route in diesem Jahr bewusst verändert worden sei, um sie sichtbarer und zugleich barriereärmer zu machen. Ergänzt wird der Tag durch einen Regenbogen-Gottesdienst in der St.-Johanniskirche sowie ein Regenbogenfamilientreffen an der Hafenspitze.

Dass die Rainbowdays weiter wachsen, werten die Beteiligten als Zeichen dafür, dass das Thema in der Stadtgesellschaft angekommen ist. Pook spricht von einer Entwicklung, die von vielen Ehrenamtlichen getragen werde und immer neue Gruppen und Einrichtungen einbinde. Witolla verweist ebenfalls darauf, dass längst nicht mehr nur queere Initiativen beteiligt seien, sondern auch städtische Stellen, Kulturorte und andere Institutionen.

Zugleich verschweigen beide nicht, dass die Arbeit schwieriger geworden ist. Witolla erinnert an gestohlene, zerschnittene und verbrannte Regenbogenbanner in Flensburg. Pook berichtet von einer spürbaren Verunsicherung in der Community. Solche Vorfälle seien nicht bloß Sachbeschädigung, sondern würden von vielen Betroffenen als klare Drohung wahrgenommen. Gerade deshalb sei Sichtbarkeit so wichtig.

Beide werben dafür, die Rainbowdays nicht als Nischenveranstaltung zu verstehen. Es gehe nicht um Sonderrechte, sondern um gleiche Behandlung, Sicherheit und Respekt. Unterstützung, so betonen sie, sei keine Frage der eigenen Identität, sondern eine Frage von Haltung und Demokratie.

Zwischen dem Regenbogenempfang und dem CSD wird wie in den Vorjahren die Regenbogenflagge vor dem Rathaus und dem Deutschen Haus gehisst. Zusätzlich soll das Treppenhaus des Rathauses in Regenbogenfarben illuminiert werden.

Mit dem Regenbogenempfang beginnt damit in Flensburg nicht nur eine Veranstaltungsreihe, sondern ein Aktionsmonat, der politische Forderungen, kulturelle Angebote und gesellschaftlichen Austausch miteinander verbindet.