Protest gegen Ende von Schwangerschaftsabbrüchen – Aktivisten besetzen Kirche in Flensburg
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Eigentlich war für den Samstagvormittag eine Demonstration auf dem Nordermarkt angekündigt. Anlass war die Entscheidung, dass in der Diako Flensburg ab dem Jahr 2026 keine Schwangerschaftsabbrüche mehr vorgenommen werden sollen – auch nicht nach Inzest, Vergewaltigung oder sexuellem Missbrauch.
Als eine Polizeistreife dort eintraf, waren jedoch keine Demonstrierenden mehr anzutreffen. Ein Sprecher der Polizei erklärte, die angemeldete Kundgebung habe offenbar nur sehr kurz stattgefunden.
Wenige Minuten später meldete sich gegen 12 Uhr der Pfarrer der katholischen Kirche St. Marien im Nordergraben bei der Polizei. Er teilte mit, dass mehrere Personen die Kirche betreten hätten, teilweise vermummt seien und Transparente sowohl im Kirchenraum als auch außen am Gebäude angebracht hätten.
Als die Beamten eintrafen, befanden sich nach ihren Angaben rund 50 Personen in und an der Kirche. Nach ersten Erkenntnissen verhielten sich die Demonstrierenden friedlich, so der Polizeisprecher. Inhaltlich richtete sich der Protest ebenfalls gegen die angekündigte Beendigung von Schwangerschaftsabbrüchen in der Diako – damit knüpfte die Aktion an das Thema der zuvor angemeldeten Kundgebung am Nordermarkt an.
An der Kirche waren Plakate mit Aufschriften wie „Besetzt“, „Malteserorden raus aus dem Krankenhaus“, „Kirche raus aus dem Krankenhaus“ sowie Slogans wie „My body, my choice“ zu sehen.
Auf Nachfrage der Polizei meldete sich eine Person als Ansprechpartnerin und erklärte die Besetzung zur Spontandemonstration. Die Beamten forderten die Teilnehmer mehrfach auf, die Kirche zu verlassen. Die Gruppe lehnte dies ab und bestand darauf, zunächst mit dem Pfarrer zu sprechen. Dieser wiederum war nur zu einem Gespräch außerhalb des Gotteshauses bereit – was die Aktivisten ablehnten.
Zwischenzeitlich kam es zu Gesprächen zwischen mehreren jugendlichen Kirchenbesuchern im Alter von etwa 15 bis 18 Jahren und den Demonstrierenden. Dabei seien die unterschiedlichen Sichtweisen auf Schwangerschaftsabbrüche ausgetauscht worden.
Die Jugendlichen kritisierten vor allem das Anbringen von Plakaten im Kirchenraum. Grundsätzlich hätten sie eine Demonstration vor der Kirche akzeptiert, nicht jedoch im „heiligen Haus“. Auch dieser verbale Schlagabtausch sei friedlich verlaufen.
Nach mehreren Vermittlungsversuchen zwischen Polizei, Pfarrer und Demonstrierenden räumte schließlich die Bereitschaftspolizei die Kirche. 13 Personen wurden aus dem Gebäude getragen und des Platzes verwiesen, erklärte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nord am frühen Abend. Anschließend verschloss der Pfarrer die Kirche.
Der Einsatz war nach Angaben der Leitstelle gegen 15.08 Uhr beendet. Gegen die Demonstrierenden könnten nun Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung eingeleitet werden.
