Polizei stoppt geplante Sperrung der K8 – Streit zwischen Landwirt und Stadt Flensburg spitzt sich zu

 |  von Thomsen / Foerde.news

Am Mittwoch hatte Bauer Knop geplant die K8 zu sperren - Fotos: Thomsen

Flensburg – Der seit Jahren schwelende Konflikt um die über sein Grundstück führende Kreisstraße 8 (K8) hat am Mittwochmorgen einen neuen Höhepunkt erreicht: Landwirt Ingo-Willi Knop wollte die Straße mit Heuballen sperren – wurde jedoch von Polizei und Ordnungsamt daran gehindert. Die Stadt Flensburg überreichte ihm eine Ordnungsverfügung, die ihm jede eigenmächtige Blockade untersagt und Zwangsmaßnahmen androht.

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Ordnungsverfügung untersagt Blockade der K8

Nach Angaben der Stadt wurde Knop bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass er die K8 – auch bekannt als Hochfelder Landstraße – nicht ohne behördliche Anordnung sperren dürfe. In der ihm am Mittwoch zugestellten, mehrseitigen Ordnungsverfügung heißt es, ihm werde untersagt, am 11. Februar 2026 Hindernisse auf der K8 aufzubringen oder den Straßenverkehr „in sonstiger Weise zu behindern oder unmöglich zu machen“.

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Zugleich ordnet die Stadt die „sofortige Vollziehung“ dieser Verfügung an. Rechtsmittel wie Widerspruch oder Klage hätten keine aufschiebende Wirkung, heißt es mit Verweis auf die Verwaltungsgerichtsordnung. Für den Fall eines Verstoßes droht die Stadt „unmittelbaren Zwang“ an – notfalls unter Einsatz einfacher körperlicher Gewalt, Hilfsmitteln körperlicher Gewalt oder Waffen. Sollten tatsächlich Hindernisse aufgebracht werden, könne die Stadt diese auf Kosten Knops entfernen lassen. Die Kosten für Maschinen- und Personaleinsatz werden in dem Bescheid mit rund 2000 Euro veranschlagt.

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Begründet wird die Verfügung mit Gefahrenabwehrrecht: Eine eigenmächtige und „unprofessionelle“ Sperrung der Straße stelle eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer dar. Zudem verweise die Stadt auf die Straßenverkehrsordnung, die das Aufbringen von Gegenständen auf die Fahrbahn verbietet, wenn dadurch der Verkehr gefährdet oder erschwert werden kann.

Einsatz am Hof – Heuballen kommen nicht bis zur Straße

Am Mittwochmorgen rückten Polizei und Ordnungsamt mit mehreren Streifenwagen in Tarup an. Ein Polizeifahrzeug positionierte sich an der K8, ein weiteres suchte den Hof des Landwirts auf. Als Knop kurz vor 9 Uhr mit seinem Traktor und einem Heuballen das Grundstück verlassen wollte, war die Aktion beendet, bevor sie begonnen hatte: Ein Streifenwagen versperrte die Ausfahrt.

„Wir sind zunächst nur hier, um das Gespräch zu führen“, betonte Polizeisprecher Jan Krüger vor Ort. Maßnahmen wie das Entfernen von Hindernissen wären Sache der Stadt, die Polizei würde dann im Rahmen der Amtshilfe unterstützen. Vorrangiges Ziel sei, eine Sperrung der Straße und damit verbundene Verkehrsgefährdungen zu verhindern.

Knop gab sich nach außen hin kooperationsbereit, machte jedoch einen deutlich enttäuschten Eindruck. „Man hindert mich daran, mein Eigentum zu verteidigen“, erklärte der Landwirt nach Erhalt der Verfügung. Von weitergehenden Schritten sah er ab – die geplante Sperrung der K8 blieb aus.

Stadt verweist auf Rettungswege und Linienverkehr


Berater Kurt Kaufmann stand mit Informationen bereit

Die Stadt Flensburg verweist in ihrer Begründung auf die Bedeutung der K8 für die Verkehrsinfrastruktur. Die Straße werde von Rettungsfahrzeugen, Linienbussen und dem allgemeinen Verkehr genutzt, erläuterte Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Eine Sperrung könne nur im Rahmen eines geregelten, gerichtlichen oder behördlichen Verfahrens erfolgen – mit Umleitungs- und Sicherungskonzept.

Teschendorf machte zugleich deutlich, dass man weiter auf eine einvernehmliche Lösung hoffe. Für die kommende Woche sei ein weiterer Gesprächstermin angesetzt. Nach Angaben der Stadt habe es allein im vergangenen Jahr mehr als ein Dutzend Verhandlungsrunden mit Knop oder seinen Vertretern gegeben, in denen über Flächentausch, Entschädigung und mögliche Baurechte gesprochen worden sei.

Dreifache „Enteignung“ – Knops Sicht auf den Konflikt

Knop sieht sich seit Jahrzehnten durch Infrastrukturprojekte benachteiligt. Bereits beim Ausbau der historischen Landesstraße und später beim Bahntrassenbau seien Flächen seines Hofes in Anspruch genommen worden, erläuterte er. Mit der nun umstrittenen K8 sei dies „die dritte Enteignung innerhalb von 150 Jahren“ an dieser Hofstelle.


Viel Presse war am Mittwochmorgen vor Ort - Bauer Knop (mitte) und sein Berater Kaufmann (rechts) standen zum Interview bereit

Sein zentrales Anliegen: Die Ortsumgehung Tarup, die über seine Ackerflächen führt, zerschneide den Betrieb und mache eine wirtschaftliche Bewirtschaftung zunehmend schwierig. Knop verweist darauf, dass das Enteignungsverfahren gegen ihn gescheitert sei und der Bebauungsplan für die Straße für unwirksam erklärt wurde. Das Innenministerium habe ihm jüngst einen Betrag von mehr als zwei Millionen Euro als Entschädigung für Rückbaukosten der K8 zugesprochen – der entsprechende Bescheid ist jedoch noch nicht rechtskräftig.

„Das Geld ist nicht dafür da, dass ich es verleben kann“, sagt Knop. Es diene dem Rückbau der Straße, auf dessen Durchführung er allerdings nicht zwingend verpflichtet sei. Zugleich moniert er, dass Bauvoranfragen für Wohnbebauung auf seinen Flächen entlang der Straße nur teilweise bearbeitet oder abgelehnt worden seien.

Berater kritisiert Stadt – Forderungen seit einem Jahr auf dem Tisch

Unterstützt wird der Landwirt von seinem Berater Kurt Kaufmann. Dieser wirft der Stadt vor, seit einem Jahr konkrete Lösungsvorschläge zu kennen, aber nicht entschieden zu handeln. Bereits im Februar 2025 habe er Oberbürgermeister Fabian Geyer ein Paket mit drei Bausteinen vorgelegt: Bauvoranfragen für Wohnbebauung auf mehreren Teilflächen, eine Vermarktung größerer Flächen südlich der bestehenden Bebauung sowie einen umfassenden Flächentausch im Bereich der K8.

Nach Darstellung Kaufmanns sei für die K8 ein Wert im Millionenbereich veranschlagt worden. Die Stadt könne durch einen Bebauungsplan und die Einbringung eigener Flächen eine Lösung finanzieren, ohne am Ende Geld zu verlieren. Stattdessen fühle Knop sich gegenüber Nachbarn benachteiligt und „hinten heruntergefallen“.

Kaufmann kündigte an, beim anstehenden Termin „ein letztes Mal“ mit der Stadt verhandeln zu wollen. „Unsere Forderungen sind klar – die Stadt kann jetzt Ja oder Nein sagen“, so der Berater.

Gespräche ohne Knop – und die Drohung mit dem Verwaltungsgericht


Um die K8, besser bekannt unter dem Namen Hochfelder Landstraße, war mal wieder der Mittelpunkt

Knop selbst will an dem Gespräch in der kommenden Woche nicht mehr teilnehmen. Seine Geduld sei nach mehr als zehn Jahren Streit am Ende, erklärte der Landwirt. Bereits im Dezember hatte er die über sein Grundstück führende K8 als Privatstraße deklariert und Schilder mit deutlicher Kritik an der Stadt und der Verwaltung aufgestellt.


Schilder für eine Sperrung stehen schon seit Wochen an der K8 - Geplante Sperrung war für Januar angekündigt

Sollte auch die nächste Verhandlungsrunde scheitern, schließt Knop den Gang vor das Verwaltungsgericht nicht aus. Er wolle dann auf gerichtlichem Wege eine Sperrung der Straße erwirken. „Es ist nur ärgerlich, dass das alles viel Geld kostet, obwohl es ja mein Eigentum ist“, sagt er.

Bis dahin bleibt die K8 vorerst frei befahrbar – die vorbereiteten Heuballen stehen weiterhin am Rand der Straße, versehen mit neuen Schildern. Ob sie jemals tatsächlich als Barrikade dienen werden, dürfte nicht zuletzt vom Ausgang der nächsten Gespräche und möglichen Gerichtsverfahren abhängen.