Neustart für die Flensburg Galerie: Verkauf besiegelt - New Yorker kommt
| von Marie Holm
Flensburg – Am 1. April wechselt die Flensburg Galerie den Eigentümer. Kurz vor der Übergabe zieht Asset-Managerin Alina Sime Bilanz – über fast fünf Jahre voller Leerstände, Umbauten, Krisen und harter Arbeit. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Verkauf des Hauses, sondern auch ein ungewöhnlich enges Arbeitsverhältnis: Sime und Technikchef Mario Feldbusch beschreiben ihre Zeit in der Galerie als gemeinsames Kraftprojekt, das weit über ein normales Kollegium hinausging.
Die Flensburg Galerie ist verkauft. Offiziell bekanntgegeben werden soll der Eigentümer aber erst am 1. April 2026, dem Tag der Übergabe. Dann, so kündigte es Asset-Managerin Alina Sime an, werde es weitere Informationen des neuen Besitzers geben.
Schon jetzt steht fest: Für die Galerie beginnt damit ein neues Kapitel. Der Kaufvertrag wurde nach Angaben Simes bereits Mitte Dezember 2025 unterschrieben. Bis zur Übergabe führt sie noch die Geschäfte rund um das Objekt, danach endet ihre Zuständigkeit.
Sime kam am 7. Mai 2021 nach Flensburg – mitten in einer schwierigen Phase. Die Corona-Pandemie wirkte nach, die Galerie kämpfte mit Leerstand, Unsicherheit und wirtschaftlichem Druck. Nach ihren Angaben lag die Belegungsquote damals bei nur 74 Prozent. Mehrere Kündigungen hätten bereits auf dem Tisch gelegen, zugleich sei die Lage so ernst gewesen, dass sogar Sonderkündigungsrechte größerer Mieter im Raum standen.
Heute stellt sich das Bild aus ihrer Sicht deutlich besser dar. Sime spricht von einer aktuellen Vermietungsquote von 98,1 Prozent. Nur noch rund 400 Quadratmeter von insgesamt 24.500 Quadratmetern vermietbarer Fläche stünden leer. Diesen Wandel führt sie auf eine neue Strategie, intensive Vermarktung und zahlreiche Gespräche mit Mietern und Interessenten zurück.
Der Weg dahin war allerdings steinig. Sime beschreibt ihre Anfangszeit in Flensburg als Schock. Die Innenstadt sei damals von langen Leerstandszeilen geprägt gewesen, gerade auch im Umfeld der Galerie. Viele Interessenten hätten wegen der Corona-Lage gezögert, andere hätten der Innenstadt pauschal schlechte Perspektiven bescheinigt. Dennoch sei es gelungen, Schritt für Schritt neue Mieter zu gewinnen und bestehende Verträge zu sichern – teilweise auch durch deutlich niedrigere Mieten als noch vor einigen Jahren.
Ein wichtiger Baustein dieser Entwicklung war die Neuordnung größerer Flächen im Haus. Besonders stolz zeigt sich Sime auf die Ansiedlung des Fitnessstudios. Ursprünglich war dafür ein anderer Bereich vorgesehen, verbunden mit einem Umzug der Stadtbibliothek. Als diese Lösung scheiterte, musste kurzfristig umgeplant werden. Innerhalb kurzer Zeit seien neue Szenarien entwickelt worden, um die Fläche doch noch nutzbar zu machen. Rückblickend bezeichnet Sime diesen Kraftakt als einen der prägenden Momente ihrer Zeit in Flensburg.
Zu den weiteren Erfolgen zählt sie Vertragsverlängerungen und Umbauten bei bestehenden Mietern. Genannt wurden unter anderem McDonald’s, Rewe und Netto. Auch die Ansiedlung neuer Konzepte und Dienstleistungen habe dazu beigetragen, die Galerie breiter aufzustellen. Zu den nächsten sichtbaren Veränderungen gehört der Einzug von New Yorker. Das Modeunternehmen soll auf der Holmebene einziehen und dort Flächen von Sinnerup und dem daneben liegenden Einheit übernehmen. Die Fläche umfasst nach Angaben Simes rund 1200 Quadratmeter. Vorgesehen ist die Übergabe zum Ende des dritten Quartals, die Eröffnung soll spätestens am 27. November 2026 erfolgen – rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft.
Auch über weitere Veränderungen wird bereits gesprochen. Für anderes Modegeschäft gebe es konkrete Überlegungen, sagte Sime. Weil der Vertrag noch nicht von beiden Seiten unterschrieben sei, wollte sie sich dazu aber noch nicht verbindlich äußern.
Auffällig ist, dass die Galerie in den vergangenen Jahren nicht nur auf klassischen Einzelhandel gesetzt hat. Sime machte deutlich, dass sie den Standort bewusst breiter entwickeln wollte. Dazu zählt auch der Arcade Studio „Next Level“, den sie als Teil eines veränderten Nutzungsmixes versteht. Ihre Begründung: In der Innenstadt gebe es für Jugendliche und junge Erwachsene abseits von Gastronomie und Fitness nur wenige Freizeitangebote. Solche Konzepte könnten dazu beitragen, zusätzliche Besucher in die Galerie zu holen und den Standort lebendiger zu machen.
Auch die Ansiedlung eines Erotikladens gehört nach ihrer Darstellung zu dieser Strategie. Sime schilderte, dass aus ersten Gesprächen über andere Handelsideen schließlich die Überlegung entstanden sei, ein solches Angebot auch stationär in der Galerie zuzulassen. Dahinter stand aus ihrer Sicht die Überzeugung, dass Innenstädte und Einkaufszentren heute offener für unterschiedliche Nutzungen sein müssen, wenn sie funktionieren sollen. Der Standort dürfe sich nicht allein auf traditionelle Ladenkonzepte beschränken.
Neben der Entwicklung der Galerie selbst sprach Sime auch über die Verbindung zur benachbarten Holmpassage. Sie bedauerte, dass es in den vergangenen Jahren keine engere Zusammenarbeit gegeben habe. Aus ihrer Sicht könnten beide Immobilien und die gesamte Innenstadt davon profitieren, wenn Vermarktung und Entwicklung stärker gemeinsam gedacht würden. Zugleich verwies sie darauf, dass die Holmpassage zwar Potenzial habe, dafür aber erhebliche Investitionen notwendig seien – insbesondere in Technik und Instandhaltung.
Neben Zahlen, Mietverträgen und Umbauten prägte das Gespräch vor allem ein anderes Thema: das enge Verhältnis zwischen Alina Sime und Mario Feldbusch, dem technischen Objektleiter der Galerie. Beide machten deutlich, dass ihre Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren weit über ein gewöhnliches berufliches Miteinander hinausging.
Sie hätten die Galerie gemeinsam durch schwierige Zeiten geführt, sagten beide. Tagschichten seien oft direkt in Nachtschichten übergegangen, an Wochenenden seien Dekorationen aufgebaut, Wasserschäden beseitigt oder Umbauten begleitet worden. Wenn es Probleme gegeben habe, habe einer den anderen sofort informiert. Keine wichtige Mail, kein Vorfall, keine technische Störung sei am jeweils anderen vorbeigegangen.

Mario Feldbusch, der technische Objektleiter in der Galerie wird zum 1. April vorerst arbeitslos sein
Feldbusch sprach offen davon, dass Sime für ihn das Beste gewesen sei, was ihm in der Galerie passiert sei. Umgekehrt schilderte auch Sime, wie eng die Zusammenarbeit geworden sei. Man habe sich ergänzt, einander vertraut und das Objekt am Ende so behandelt, als würde es einem selbst gehören. Aus Kollegen sei ein Team geworden, aus täglicher Zusammenarbeit eine persönliche Verbundenheit, die beide als außergewöhnlich beschrieben.
Gerade in Krisensituationen sei das entscheidend gewesen. Ob Brandfall, nächtliche Arbeitseinsätze, Umbauten oder Auseinandersetzungen mit schwierigen Rahmenbedingungen: Vieles, was in anderen Häusern von größeren Teams bewältigt werde, hätten sie zu zweit gestemmt. Diese gemeinsame Belastung habe zusammengeschweißt.
Mit dem Eigentümerwechsel endet diese Phase nun. Sime wird nach der Übergabe noch bis voraussichtlich Juni 2026 in Deutschland bleiben und anschließend nach Rumänien zurückkehren. Dort betreut sie bereits ein anderes Center. Auch für Feldbusch endet die bisherige Tätigkeit in der Galerie in ihrer jetzigen Form.
Wie es unter dem neuen Eigentümer weitergeht, ist bislang nur in Ansätzen bekannt. Sime sagt, sie habe den Eindruck, dass die neuen Besitzer Pläne für das Objekt hätten. Konkrete Einzelheiten kenne sie jedoch noch nicht. Zunächst müsse die neue Eigentümerseite das Haus, die Mieter und den Standort Flensburg kennenlernen.
So bleibt vor der offiziellen Übergabe vor allem eine Bilanz: Die Flensburg Galerie wechselt den Besitzer in einer Phase, in der das Haus deutlich stabiler dasteht als noch vor wenigen Jahren. Und mit Alina Sime und Mario Feldbusch gehen zwei prägende Gesichter, deren enge Zusammenarbeit für viele in der Galerie offenbar ein entscheidender Teil dieses Wandels war.