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Neues Frauenhaus in Husum: Kreis Nordfriesland schafft 20 zusätzliche Schutzplätze

 |  von Thomsen / Foerde.news

Olaf Henschen, Aminata Touré und Florian Lorenzen Freude über den Zuwendungsbescheid des Landes - Foto: Hans-Martin Slopianka

Husum – Mit einem Neubau in Husum will der Kreis Nordfriesland den Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt deutlich ausbauen. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt das Vorhaben mit insgesamt 2,4 Millionen Euro. Hintergrund ist ein hoher Bedarf: Schon heute reichen die vorhandenen Plätze im Kreis bei weitem nicht aus.

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Der Kreis Nordfriesland treibt den Ausbau seines Hilfsangebots für von Gewalt betroffene Frauen weiter voran. In Husum soll ein neues Frauenhaus mit 20 Plätzen entstehen. Bei einem Termin am 13. Februar übergab Sozialministerin Aminata Touré symbolisch einen Förderbescheid über 670.000 Euro aus dem IMPULS-Programm des Landes. Insgesamt fördert Schleswig-Holstein den Neubau mit 2,4 Millionen Euro.

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Bei der Übergabe informierte sich die Ministerin gemeinsam mit Landrat Florian Lorenzen und Olaf Henschen, Geschäftsführer der WohnECK NF gGmbH, über das Projekt. Touré betonte die Bedeutung zusätzlicher Schutzplätze im Land. Der Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt habe höchste Priorität. Schon im Koalitionsvertrag sei festgelegt worden, die Zahl der Frauenhausplätze in Schleswig-Holstein weiter auszubauen, insbesondere im Norden des Landes. Sie freue sich, dass Nordfriesland nun ein eigenes Frauenhaus bekomme.

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Zugleich kündigte die Ministerin weitere Investitionen an. Künftig stünden 30 Millionen Euro aus dem Infrastrukturpaket bereit, um landesweit 200 zusätzliche Frauenhausplätze zu schaffen.

Auch Landrat Lorenzen sieht in dem Neubau ein wichtiges Signal. Gewalt gegen Frauen sei kein privates Problem, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung, der man sich gemeinsam stellen müsse. Mit dem Standort in Husum entstünden dringend benötigte Schutzplätze. Gleichzeitig werde eine fachlich hochwertige Beratung für Frauen und ihre Kinder gesichert. Lorenzen dankte dem Land für die Förderung und dem Kreistag für die Initiative.

Der Ausbau gilt als dringend notwendig. Im Kreis Nordfriesland stehen seit dem 1. Januar 2026 insgesamt 24 Plätze für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder zur Verfügung. Das Angebot befindet sich in Bredstedt und wird vom freien sozialen Träger Brücke Rendsburg-Eckernförde betrieben. Im Jahr 2025 wurden dort 58 Frauen mit 42 Kindern betreut. Zugleich mussten 126 Frauen mit 103 Kindern wegen fehlender Kapazitäten abgewiesen werden.

Von den derzeit 24 Plätzen werden 16 über Landesmittel finanziert. Acht weitere trägt der Kreis Nordfriesland freiwillig. Personalausstattung und Schutzkonzept entsprechen den Standards anerkannter Frauenhäuser. Dazu gehört unter anderem, dass für jeweils sechs Plätze eine Vollzeitkraft vorgesehen ist.

Als Bauherr des Neubaus wurde die WohnECK NF gGmbH beauftragt. Nach Fertigstellung soll sie Eigentümerin des Gebäudes bleiben und es an die Brücke Rendsburg-Eckernförde vermieten. Der Kreistag hat die Entwurfsplanung und die vorläufige Kostenberechnung bereits einstimmig beschlossen.

WohnECK-Geschäftsführer Henschen kündigte an, die Bauarbeiten schnellstmöglich auf den Weg zu bringen. Ein Grundstück wurde bereits erworben. Der genaue Standort wird aus Sicherheitsgründen nicht bekanntgegeben. Die Baugenehmigung liegt nach Angaben des Kreises bereits seit dem vergangenen Jahr vor.

Das fachliche Konzept für das Frauenhaus Nordfriesland wurde von der Brücke im Auftrag des Kreises erarbeitet. Seit 2021 setzt der Träger ein entsprechendes Angebot bereits in Bredstedt um. Grundlage sind anerkannte Standards, darunter die Istanbul-Konvention sowie die Förderrichtlinie des Landes.

Im Mittelpunkt stehen Schutz, Beratung und die Entwicklung neuer Perspektiven. Frauen sollen unter anderem bei der Wohnungssuche, beim beruflichen Wiedereinstieg und bei der Vermittlung therapeutischer Angebote unterstützt werden. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer wird mit rund sechs Monaten veranschlagt.

In der Kreisverwaltung begleitet Christian Grelck, Leiter des Fachbereichs Soziales, Arbeit und Teilhabe, das Projekt. Ein Frauenhaus sei ein geschützter Ort und zugleich der Startpunkt für einen Neuanfang, sagte er. Der Kreis hoffe, das Angebot über die bestehenden 24 Plätze hinaus weiter ausbauen zu können, sofern das Land zusätzliche Kapazitäten schaffe.

Auch bei der baulichen Planung spielt Sicherheit eine zentrale Rolle. Nach Angaben der Gleichstellungsbeauftragten Simone Ehler wird das Frauenhaus barrierefrei errichtet, damit auch Frauen mit Mobilitätseinschränkungen dort Schutz finden können. Das Angebot richtet sich zudem an Kinder und Jugendliche sowie ausdrücklich auch an Frauen mit Behinderung, Migranten und andere Personen mit besonderem Schutzbedarf.

Zu den Sicherheitsmaßnahmen zählen eine dauerhaft verschlossene Außentür und eine erhöhte Aufmerksamkeit im Umfeld, etwa durch polizeiliche Streifen. Die fachliche Betreuung übernimmt die Brücke Rendsburg-Eckernförde. Vorgesehen sind qualifizierte Fachkräfte mit Kompetenzen unter anderem in Sozialpädagogik, Traumafachberatung und interkultureller Arbeit. Eine Rund-um-die-Uhr-Besetzung ist nicht geplant, jedoch soll ein Bereitschaftsdienst eingerichtet werden. Bei Sprachbarrieren unterstützen Kulturmittler des Kreises.

Bundesweit ist der Bedarf an Frauenhausplätzen seit Jahren hoch. Nach Angaben des Bundes stehen in Deutschland rund 400 Frauenhäuser sowie mehr als 40 Schutz- und Zufluchtswohnungen mit insgesamt über 6000 Plätzen zur Verfügung. Benötigt würden jedoch deutlich mehr. Die Aufnahme in ein Frauenhaus erfolgt unabhängig von Einkommen oder Leistungsbezug, damit finanzielle Hürden den Zugang zum Schutz nicht verhindern. Viele Einrichtungen stehen Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet offen, andere nehmen nur Betroffene aus ihrer Region auf. Dabei suchen manche Frauen bewusst große Distanz zu ihrem bisherigen Umfeld, während andere in der Nähe bleiben möchten, damit etwa ihre Kinder weiterhin die vertraute Schule besuchen können.