Kneipe „Retro“: Ordnungsamt entfernt Siegel – Wiedereröffnung rückt näher
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Die Raucherkneipe „Retro“ an der Ecke Bismarckstraße/Glücksburger Straße steht vor der Wiedereröffnung – allerdings unter neuer Verantwortung. Nach Angaben der Stadt Flensburg soll künftig eine andere Person den Betrieb übernehmen, während der bisherige Betreiber nur noch in klar begrenzter Rolle im Hintergrund auftreten darf.
Wie Stadtsprecher Clemens Teschendorf auf Nachfrage am Mittwochnachmittag erklärt, ist die jüngste Schließung im Oktober 2025 des Lokals nicht auf Mängel in der Kneipe selbst zurückzuführen, sondern auf die Person des bisherigen Betreibers. Ihm ist es demnach derzeit rechtlich nicht gestattet, ein eigenes Gewerbe zu führen oder als verantwortlicher Inhaber aufzutreten.
„Wenn die Lage so ist, wie sie jetzt ist, kann die zweite Person dort wieder aufmachen“, so Teschendorf. Voraussetzung sei, dass diese Person das Gewerbe vollständig eigenständig führe. Der bislang verantwortliche Betreiber dürfe weder als Inhaber noch als Geschäftsführer agieren. „Er darf nur nicht in irgendeiner Form als der eigentliche Inhaber fungieren. Das muss tatsächlich von ihm getrennt sein, sodass er dort keine Geschicke mehr lenkt“, betont der Sprecher. Ein Anstellungsverhältnis im Service oder in anderer untergeordneter Funktion sei hingegen möglich.
Die Stadt kündigt an, die Konstellation genau im Blick zu behalten. Hintergrund ist eine gesetzliche Verfügung gegen den bisherigen Betreiber. Näheres dazu kommentiert die Verwaltung mit Verweis auf den Datenschutz nicht.
Die Kneipe „Retro“ war im Herbst von der Stadt versiegelt worden. An der Eingangstür fanden sich auffällige Siegel sowie ein handschriftlicher Hinweis „Das RETRO macht kurz PAUSE!“. Für viele Stammgäste wirkte dies zunächst wie eine freiwillige Ruhephase – tatsächlich aber lag eine behördlich veranlasste Schließung vor. Mittlerweile wurden die Siegel wieder entfernt, sodass einer Wiederaufnahme des Betriebs durch den neuen Verantwortlichen formal nichts mehr im Wege steht.
Auch bei den in der Kneipe aufgestellten Glücksspielautomaten gab es Beanstandungen. Es habe sich zwar um reguläre Geräte gehandelt, allerdings in einer Form oder Anzahl, die so nicht zulässig gewesen sei. Im Rahmen der Überprüfung seien diese Punkte erfasst worden; mit der Neuaufnahme des Betriebs müssen die Vorgaben eingehalten werden.
Der ehemalige Betreiber Marco Erichsen teilte auf der Facebook-Seite der Kneipe mit, dass das Ordnungsamt die Siegel und Aufkleber inzwischen entfernt habe, ein Elektriker bereits vor Ort gewesen sei und in dieser Woche auch die Feuerwehr das Lokal in Augenschein genommen habe. Unter den Stammgästen sorgt die Entwicklung für Erleichterung: Viele freuen sich darüber, dass das „Retro“ voraussichtlich wieder öffnen kann.
Das „Retro“ war im Sommer 2021 zunächst unter dem Namen „De Gröne Keel“ gestartet und entwickelte sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt im Stadtteil. Wie es dazu kommen konnte, dass der Betrieb über einen längeren Zeitraum ohne tragfähige gewerberechtliche Grundlage lief, bleibt offen. Laut Stadt war bereits vor einigen Monaten eine routinemäßige Kontrolle erfolgt, in deren Zuge Unstimmigkeiten bei der Anmeldung festgestellt wurden.
Wann genau das „Retro“ unter der neuen Verantwortlichkeit wieder öffnet, bleibt abzuwarten. Klar ist: Für die Stammgäste gibt es zumindest eine Perspektive auf eine Rückkehr ihrer Kneipe – wenn auch unter veränderten Vorzeichen.