Hohe Stromkosten in Kiel: Schausteller und Stadtwerke finden Kompromiss
| von Thomsen / Foerde.news
Kiel – Hohe Anschlusskosten und teurer Strom haben vor dem Kieler Frühjahrsmarkt für heftige Kritik gesorgt. Während die Schausteller von einer erheblichen Belastung sprechen, verweisen Stadtwerke und Stadt auf unterschiedliche Rahmenbedingungen. Für den aktuellen Jahrmarkt wurde kurzfristig ein Kompromiss gefunden.
Der Streit um die Stromkosten für den Kieler Jahrmarkt hat kurz vor dem Start (17. April) der Veranstaltung deutlich an Schärfe gewonnen. Schaustellerverbände Neumünster, Westküste, Lübeck werfen den Stadtwerken Kiel vor, mit hohen Anschlussgebühren und einem im Landesvergleich teuren Strompreis die Wirtschaftlichkeit der Volksfeste zu gefährden. Die Stadtwerke weisen den Vorwurf eines einfachen Preisvergleichs mit anderen Städten zurück, für den aktuellen Frühjahrsmarkt wurde nach Angaben beider Seiten aber eine Lösung mit geringeren Kosten gefunden.
Im Zentrum der Kritik stehen vor allem die Gebühren für die Stromanschlüsse. Nach Angaben der Schausteller kostet ein Anschluss für einen kleineren Verkaufsstand in Kiel deutlich mehr als etwa in Flensburg. Lars Clausen vom Schaustellerverband Westküste nennt ein Beispiel aus dem eigenen Betrieb: In Flensburg falle für seinen Stand eine Anschlussgebühr von 100 Euro an, in Kiel liege sie bei 350 Euro.

Für den Süßigkeitenstand von Clausen sind in Flensburg nur 100 Euro an Anschlussgebühren fällig in Kiel 350 Euro - Foto: Jenny Clausen
Noch größer sei die Differenz bei größeren Fahrgeschäften. Für ein Karussell oder ein anderes größeres Geschäft würden in Städten wie Flensburg, Rendsburg oder Schleswig nach Angaben der Schausteller in der Regel zwischen 250 und 350 Euro fällig. In Kiel liege der Preis dagegen bei 850 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Clausen machte den Unmut der Branche deutlich: „Diese Kosten können und wollen wir nicht mehr tragen.“
Auch die offiziellen Preisangaben der Stadtwerke Kiel zeigen ein hohes Niveau. Demnach werden für einen Anschluss bis 3 Kilowatt bei 1 x 16 Ampere 225 Euro berechnet. Für 22 Kilowatt bei 3 x 32 Ampere fallen 390 Euro an, für 40 Kilowatt bei 3 x 63 Ampere 480 Euro und für 80 Kilowatt bei 3 x 125 Ampere 840 Euro. Hinzu kommen 6,97 Euro je Abnahmestelle und genutztem Zähler. Der Arbeitspreis liegt bei 44,47 Cent pro Kilowattstunde. Für Störungen werden 84 Euro innerhalb der regulären Arbeitszeit und 122 Euro außerhalb der regulären Arbeitszeit berechnet. Die Preisangaben stehen unter dem Hinweis, dass sie auf dem Stand von August 2023 beruhen und bis zur Veranstaltung angepasst werden können.
Für die Schausteller ist nicht nur die Höhe der Gebühren problematisch. Sie warnen auch vor den Folgen für die Besucher. Steigende Betriebskosten würden zwangsläufig zu höheren Preisen auf den Festen führen. Das widerspreche dem Grundgedanken eines Volksfestes, das für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich bleiben solle. „Wir möchten auch nicht teurer werden. Wir möchten ja volksnah bleiben“, sagte Clausen.
Kritik kommt aus der Branche zudem an der Kommunikation mit den Verantwortlichen. Clausen berichtet, es sei schwierig gewesen, Ansprechpartner zu erreichen oder auf E-Mails Antworten zu bekommen. Aus seiner Sicht habe man sich mit den Sorgen der Schausteller nicht ernst genommen gefühlt.
Die Stadtwerke Kiel stellen die Situation anders dar. Vertriebschef Stefan Meyer sagte auf Nachfrage von Förde.news, ein direkter Vergleich mit anderen Städten sei nur eingeschränkt möglich. Man kenne die Kalkulationsgrundlagen anderer Energieversorger nicht, zudem unterschieden sich örtliche Gegebenheiten und Infrastruktur von Standort zu Standort. Deshalb lasse sich aus Preisen anderer Kommunen nicht ohne Weiteres ableiten, warum einzelne Anschlüsse in Kiel teurer seien.
Gleichzeitig bestätigte Meyer, dass es kurz vor dem Frühjahrsmarkt noch eine Verständigung gegeben habe. Nach seinen Angaben wurde mit den Schaustellern eine Lösung gefunden, sodass vom bisherigen Abrechnungsmodell abgewichen werde. Für die Betriebe bedeute das, dass sie für den aktuellen Jahrmarkt weniger zahlen müssten als zunächst befürchtet. Nach Angaben beider Seiten soll dabei nun ein externer Elektriker eingebunden werden, der auch in Flensburg tätig ist.
Genau darin sehen die Schausteller einen möglichen Weg für die Zukunft. Clausen hofft, dass sich die Kosten mit einem solchen Modell deutlich senken lassen. Aus seiner Sicht arbeiten externe Firmen wirtschaftlicher und schneller als die bisherige Lösung. Ob dieses Modell auch dauerhaft Bestand haben wird, ist allerdings offen. Meyer machte deutlich, dass die Erfahrungen aus dem Frühjahrsmarkt zunächst ausgewertet werden müssten. Erst danach könne entschieden werden, ob das Konzept auch für künftige Veranstaltungen tragfähig sei. Zudem müsse weiterhin in die Infrastruktur investiert werden.
Für zusätzlichen Unmut sorgte die frühe Sperrung des Wilhelmplatzes. Nach Darstellung der Schausteller war die Fläche bereits lange vor dem eigentlichen Aufbau abgesperrt, obwohl die Beschicker selbst noch nicht auf den Platz durften. Clausen sieht darin ein unnötiges Ärgernis für Anwohner, die die Einschränkungen dann mit dem Jahrmarkt in Verbindung brächten.
Die Stadt Kiel hat diese vorzeitige Sperrung inzwischen erläutert. Pressesprecher Arne Gloy erklärte, für den Frühjahrsmarkt habe der Wilhelmplatz aufwendiger vorbereitet werden müssen. Dazu hätten die Verlegung des Stromnetzes sowie Ausbesserungsarbeiten auf dem Platz gehört. Die Sperrung sei deshalb eine Woche früher erfolgt. Die Arbeiten zur Herstellung der nötigen Infrastruktur und zur Beseitigung von Winterschäden hätten vor dem Auffahren der Fahrgeschäfte abgeschlossen sein müssen.
Für die Schausteller steht hinter der Debatte mehr als nur eine einzelne Rechnung. Sie verweisen darauf, dass das Schaustellergewerbe als immaterielles Kulturgut anerkannt ist und seit Generationen zum gesellschaftlichen Leben gehört. Wenn Anschlusskosten, Strompreise, Platzgelder, Werbung und Sicherheitsauflagen weiter stiegen, gerate dieses Modell zunehmend unter Druck.
Vorerst ist der Kieler Frühjahrsmarkt zwar gesichert. Der Konflikt um die Stromkosten dürfte mit dem nun gefundenen Kompromiss aber kaum beendet sein. Spätestens vor den nächsten Veranstaltungen wird sich zeigen, ob Stadt, Stadtwerke und Schausteller zu einer dauerhaft tragfähigen Lösung kommen.