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Flensburger Herbstmarkt startet: 97 Geschäfte, steigende Kosten und Erinnerungen an frühere Zeiten

 |  von Thomsen / Foerde.news

Das schnellste Fahrgeschäft "Mach1" ist wurde am Donnerstag noch aufgebaut - Fotos: Thomsen

Flensburg – Am Freitag, 11. September, beginnt der Flensburger Herbstmarkt. Zehn Tage lang sorgen Fahrgeschäfte, Imbissbuden, Spielgeschäfte und Verkaufsstände für Jahrmarktstimmung. Beim Presserundgang wurde jedoch nicht nur über neue und bekannte Attraktionen gesprochen. Auch gestiegene Kosten, die Entwicklung der Fahrpreise und die Frage, wie sich der Jahrmarkt über die Jahre verändert hat, waren Thema.

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Noch wird geschraubt, rangiert und aufgebaut. Wohnwagen und Zugmaschinen stehen zwischen den Geschäften, Handwerker und Schausteller bereiten die letzten Details vor. Doch wenn sich am Freitag, 11. September, um 14:00 Uhr die Tore zum Flensburger Herbstmarkt öffnen, soll von den Aufbauarbeiten nichts mehr zu sehen sein.

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Bis Sonntag, 20. September, werden insgesamt 97 Geschäfte auf dem Marktgelände erwartet. Darunter befinden sich 17 Fahr- und Showgeschäfte sowie zahlreiche Spiel-, Verkaufs-, Imbiss- und Ausschankbetriebe. Geöffnet ist täglich von 14:00 bis 23:00 Uhr, am letzten Markttag endet der Betrieb bereits um 22:00 Uhr.

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Beim Presserundgang führte Ronja Sutton vom Fachbereich Ordnung der Stadt Flensburg über das Gelände und stellte einige der Geschäfte vor. Zu den Rückkehrern gehört unter anderem das Lauf- und Belustigungsgeschäft „Car Wash“. Dort gehen die Besucher gewissermaßen zu Fuß durch eine Waschstraße mit verschiedenen Hindernissen und Effekten. Solche Belustigungsgeschäfte würden derzeit wieder stärker nachgefragt. Im Gespräch fiel dazu der Satz: „Die Leute wollen mehr lachen.“

Auch bekannte Fahrgeschäfte wie der Breakdancer sind wieder dabei. Für besonders viel Nervenkitzel soll unter anderem „Mach 1“ sorgen. Daneben reicht das Angebot von klassischen Fahrgeschäften bis zu Kinderkarussells und familienfreundlichen Laufgeschäften.

Nur zwei Tage Zeit für den Aufbau


Frank Dörksen erklärte der Presse einige Sachen auf dem Rundgang

Gerade beim Herbstmarkt ist die Aufbauphase vergleichsweise kurz. Viele Schausteller kommen unmittelbar von anderen Veranstaltungen und haben lange Anfahrtswege hinter sich. Im Gespräch während des Rundgangs wurde erklärt, dass diesmal teilweise nur etwa zwei Tage für den Aufbau bleiben. Ein Schausteller sei beispielsweise aus Ibbenbüren angereist.

Noch am Donnerstagmorgen waren deshalb zahlreiche Geschäfte nicht vollständig fertig. Die Verantwortlichen zeigten sich dennoch gelassen: Bis zur Öffnung am Freitag um 14:00 Uhr werde vom Aufbauchaos nichts mehr zu sehen sein.

Besucher vermisst die früheren Stände

Während des Aufbaus schaute sich auch ein 58-jähriger Besucher auf dem Gelände um. Dabei fiel ihm auf, dass insbesondere in der Mitte des Jahrmarktes heute garkeine Stände mehr stehen als er in  seiner Erinnerung hat.

„Zu meiner Jugendzeit waren hier noch viele Stände. Ich bin schockiert“, sagte der 58-Jährige.

Seine Reaktion zeigt, dass sich der Jahrmarkt aus Sicht langjähriger Besucher sichtbar verändert hat. Zwar kommen auch in diesem Herbst wieder zahlreiche Geschäfte nach Flensburg, doch die Aufteilung des Platzes und das Angebot haben sich über die Jahrzehnte gewandelt.

Auch die Schausteller selbst beobachten Veränderungen. Frank Dörksen, Vorsitzender des Landesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute Schleswig-Holstein, verwies unter anderem auf neue Ernährungsgewohnheiten. Vegetarische und vegane Angebote seien heute wesentlich stärker gefragt als noch vor zehn Jahren. Auch alkoholfreie Alternativen spielten eine immer größere Rolle.

Lars Clausen vom Schaustellerverband Westküste sieht ebenfalls, dass sich die Branche den Wünschen der Besucher anpassen muss. Die Nachfrage bestimme letztlich das Angebot.

Maik vom Breakdancer: Seit sechs Jahren gleicher Fahrpreis

Ein besonders ausführliches Thema beim Rundgang waren die Preise. Maik vom Breakdancer hatte dazu eigens eine Aufstellung vorbereitet. Er wollte damit zeigen, wie sich der Preis einer Fahrt im Verhältnis zu anderen Kosten entwickelt hat.

Nach seiner Aufstellung kostete eine Fahrt am Breakdancer nach der Euro-Einführung im Jahr 2002 zunächst 3,50 Euro. Später stieg der Preis auf 4 Euro. Im Jahr 2020 wurde auf 5 Euro erhöht. Diesen Preis verlangt der Betrieb nach Maiks Angaben inzwischen seit sechs Jahren unverändert.

Von 3,50 Euro auf 5 Euro entspricht das nach seiner Berechnung einer Preissteigerung von 42,9 Prozent über rund 24 Jahre.

Maik stellte diesen Anstieg anderen Kosten gegenüber, die Schausteller tragen müssen. Diesel habe nach seiner Aufstellung früher 0,88 Euro je Liter gekostet, inzwischen seien es zeitweise etwa 2,40 Euro gewesen. Als weiteres Beispiel nannte er die Kraftfahrzeugsteuer: Statt früher rund 100 Euro seien heute etwa 240 Euro fällig.

Auch einen Döner zog Maik zum Vergleich heran: Früher habe dieser etwa 3,50 Euro, heute teilweise 7 Euro gekostet. Sein Fazit: Gemessen an der allgemeinen Kostenentwicklung müssten auch die Schausteller ihre Preise eigentlich stärker erhöhen.

Schausteller wollen Preise möglichst stabil halten

Auch Lars Clausen berichtete von steigenden Betriebskosten. Besonders Öle, Fette, Verpackungen und Rohstoffe seien teurer geworden. Bei Mandeln könne allein der Einkaufspreis je nach Ernte von Jahr zu Jahr deutlich schwanken.

Trotzdem versuche man, Preiserhöhungen möglichst zu vermeiden. Statt an einer einzelnen Tüte möglichst viel zu verdienen, sei es besser, wenn ein Besucher während des Jahrmarktes zwei- oder dreimal wiederkomme, erklärte Clausen sinngemäß. Preisstabilität sei deshalb auch eine Frage der Kundenbindung.

Hinzu kommen Strom, Kraftstoff und Transporte. Clausen erklärte, eine schwere Zugmaschine könne unter Last etwa 30 bis 35 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbrauchen. Auch ein Stromanschluss auf einem Festplatz verursache bereits Kosten, bevor überhaupt Strom verbraucht werde.

Rund 10.000 Euro allein für Prüfungen

Ein weiterer Kostenfaktor sind die Sicherheitsprüfungen. Große Anlagen werden regelmäßig vom TÜV kontrolliert. Hinzu kommt nach jedem Aufbau eine sogenannte Gebrauchsabnahme.

„Kein Aufbau ohne Kontrolle“, brachte Dörksen das Verfahren während des Rundgangs auf den Punkt.

Maik vom Breakdancer berichtete, dass allein die vorgeschriebenen Prüfungen seiner Anlage mittlerweile rund 10.000 Euro pro Jahr kosten könnten. Früher seien die Abstände zwischen den großen Prüfungen länger gewesen, inzwischen müsse deutlich häufiger kontrolliert werden.

Zusätzlich gelten Sicherheitsvorgaben für das gesamte Veranstaltungsgelände. An den Eingängen sind Sperren vorgesehen, gleichzeitig müssen Rettungswege für Feuerwehr und Notarzt frei bleiben. Auch entsprechende Sicherheitskonzepte verursachten zusätzliche Kosten, erklärte Dörksen.

Familientag und Superhelden

Neben den Fahrgeschäften setzt der Herbstmarkt auch auf besondere Aktionstage. Am Sonntag, 13. September, sollen Superhelden und Prinzessinnen über das Gelände laufen, Fotos mit Kindern machen und für zusätzliche Unterhaltung sorgen.

Dörksen berichtete, dass solche Aktionen sehr gut angenommen würden. Besonders durch soziale Medien verbreiteten sich Bilder schnell. Wenn plötzlich Batman oder Spider-Man über den Festplatz laufe, sei die Begeisterung bei vielen Kindern groß.

Am Donnerstag, 17. September, folgt der Familientag. Dann beteiligen sich nach Angaben der Schausteller alle Geschäfte mit Vergünstigungen. Fahrgeschäfte reduzieren ihre Fahrpreise, Verkaufsbetriebe bieten ausgewählte Artikel günstiger an.

Kartenzahlung wird immer selbstverständlicher

Auch beim Bezahlen hat sich der Jahrmarkt verändert. Kartenzahlung gehört bei immer mehr Geschäften inzwischen zum Alltag. Ein Schausteller berichtete beim Rundgang, dass er Kartenzahlung an allen seinen Geschäften anbietet.

Gerade in der Grenzregion spiele das eine große Rolle. Selbst Kinder würden inzwischen teilweise mit aufladbaren Karten bezahlen. Bargeld sei längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher.

Trotz Digitalisierung und steigender Kosten setzen die Schausteller weiter auf das, was einen Jahrmarkt seit Generationen ausmacht: Lichter, Musik, Fahrgeschäfte, gebrannte Mandeln und die besondere Atmosphäre auf dem Festplatz.

Oder wie es beim Rundgang sinngemäß hieß: Vieles spiele sich heute online ab – auf dem Jahrmarkt gehe es dagegen darum, etwas unmittelbar zu erleben.

Der Flensburger Herbstmarkt 2026 beginnt am Freitag, 11. September, um 14:00 Uhr und dauert bis Sonntag, 20. September.