Flensburg und seine zwei Welten: Auf 1.364 Beschäftigte kommt 1 Einkommensmillionär
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Vor der eigenen Haustür treffen Welten aufeinander: Es gibt 34 Einkommensmillionäre in Flensburg. Gleichzeitig haben 46.400 Menschen einen Job – sie arbeiten vor allem im Handwerk, in der Industrie und in der Dienstleistung, um ihr Geld zu verdienen. Damit kommen in Flensburg 1.364 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf einen Menschen, der ein Einkommen von mindestens einer Million Euro pro Jahr hat. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Flensburg hingewiesen. Die NGG beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein und der Arbeitsagentur.
„So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern in Flensburg aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Philipp Thom. Der Geschäftsführer der NGG Schleswig-Holstein Nord warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage in Flensburg“. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen.
„Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen. Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, sagt Philipp Thom.
Der Gewerkschafter appelliert jetzt an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus Flensburg und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition „sozialen Kurs zu halten“. Philipp Thom: „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm.“ Erbschaften und Vermögen würden dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen.
Auf keinen Fall dürfe Arbeit stärker besteuert werden als Kapitaleinkommen – also Zinsen, Dividenden von Aktien oder Kursgewinne beim Verkauf von Wertpapieren. Denn dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse. „Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, sagt Thom. Das müsse Schwarz-Rot jetzt ändern.
Die heimischen Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD müssten jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“. Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Außerdem fordert die NGG Schleswig-Holstein Nord Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.