EU streicht Zollfreigrenze: Kleinsendungen aus China werden ab 2026 teurer

 |  von Thomsen / Foerde.news

Bestellungen von Temu, Shein, Ali-Express usw. werden teurer - Foto: Foerde.news

Lifestyle – Bestellungen bei Online-Plattformen wie Temu oder Shein werden für Verbraucherinnen und Verbraucher in der Europäischen Union künftig spürbar kostspieliger. Die Mitgliedstaaten haben einer umfassenden Reform des Zollsystems zugestimmt, mit der insbesondere der stark wachsende Import günstiger Paketsendungen aus Drittstaaten neu geregelt wird. Zentrales Element ist die Abschaffung der bisherigen Zollbefreiung für Waren mit einem Wert von unter 150 Euro.

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Die Freigrenze war ursprünglich eingeführt worden, um die Zollverwaltungen von kleinteiliger Abfertigung zu entlasten. Inzwischen hat sich diese Ausnahmeregel jedoch angesichts der Paketflut aus Fernost zu einem massiven Wettbewerbsfaktor entwickelt. Nach EU-Angaben hat sich die Zahl der Kleinsendungen seit 2022 nahezu jährlich verdoppelt. Im Jahr 2024 trafen in der Union rund 4,6 Milliarden solcher Sendungen ein – mehr als 90 Prozent davon stammten aus China. Händler innerhalb der EU kritisieren seit Langem, dass sie gegenüber außereuropäischen Anbietern benachteiligt werden.

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Übergangsphase mit Pauschalgebühr

Der Systemwechsel vollzieht sich in mehreren Stufen. Weil die geplante zentrale EU-Zolldatenplattform noch nicht vollständig betriebsbereit ist, greift ab dem 1. Juli 2026 zunächst eine Übergangsregel: Für Warenlieferungen unterhalb der bisherigen 150-Euro-Grenze wird eine pauschale Abgabe von 3 Euro fällig.

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Entscheidend ist dabei nicht nur der Gesamtwert einer Sendung, sondern die Zahl der enthaltenen Warenkategorien. Enthält ein Paket verschiedene Produktgruppen, wird die Pauschale für jede Kategorie gesondert berechnet. Wer etwa unterschiedliche Textilarten in einer einzigen Bestellung kombiniert, muss die 3-Euro-Abgabe mehrfach entrichten.

Diese Übergangslösung soll mindestens bis Mitte 2028 gelten. Anschließend soll die neue EU-Zolldatenplattform ihren Betrieb aufnehmen und von einer zentralen Zollbehörde überwacht werden. In einem zweiten Schritt sollen dann an die Stelle der Pauschale reguläre Zollsätze treten, die unabhängig vom Warenwert erhoben werden.

Mehr Fairness im Wettbewerb – mehr Aufwand für Kunden

Mit der Reform reagiert die EU auf zersplitterte nationale Verfahren und auf Handelsströme, die sich immer stärker in den Onlinehandel verlagern. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet dies, dass viele vermeintliche Schnäppchen aus dem Nicht-EU-Ausland künftig weniger attraktiv ausfallen dürften. Zusätzlich steht zur Diskussion, eine weitere Bearbeitungsgebühr einzuführen, um die Kosten der Paketabfertigung zu decken – eine Konsequenz aus den enormen Mengen, die die bestehenden Kontrollmechanismen an ihre Grenzen bringen.

Politisch wird die Neuregelung vor allem mit besserer Marktaufsicht, höherer Sicherheit und faireren Wettbewerbsbedingungen begründet. Anbieter aus Drittstaaten sollen künftig denselben finanziellen und administrativen Anforderungen unterliegen wie Unternehmen innerhalb der EU. Damit will die Union nicht nur zusätzliche Einnahmen sichern, sondern auch die Spielregeln im digitalen Handel ein Stück weit angleichen.