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Elektroschrott-Brand bei Nord-Schrott: Wie auch Du Brände verhindern kannst

 |  von Thomsen / Foerde.news

Vermutlich hat ein Akku den Brand ausgelöst - Archivfoto: Thomsen

Flensburg – Auf dem Gelände des Recyclingunternehmens Nord-Schrott in der Lilienthalstraße, ist vor einer Woche, in der Nacht zu Dienstag ein Elektroschrotthaufen in Brand geraten. Eine weithin sichtbare Rauchwolke lag über dem Industriegebiet, der Feuerwehreinsatz dauerte bis in die Vormittagsstunden.

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Großeinsatz der Feuerwehren

Neben dem Löschzug der Berufsfeuerwehr waren die Freiwilligen Feuerwehren Tarup, Innenstadt, Klues, Engelsby und Weiche im Einsatz, zusätzlich wurde die Freiwache der Berufsfeuerwehr besetzt. Insgesamt waren rund 100 Einsatzkräfte vor Ort. Mitarbeitende von Nord-Schrott unterstützten die Löscharbeiten. Mit speziellen Baggern mit Druckkabinen wurde der brennende Schrotthaufen Stück für Stück abgetragen, damit die Feuerwehr an die Glutnester gelangen konnte.

Eine Herausforderung war die Wasserversorgung: Aufgrund des hohen Bedarfs, musste auch Löschwasser über eine längere Strecke aus dem Friedensweg zur Einsatzstelle gefördert werden. Wegen der starken Rauchentwicklung wurden Anwohnende in Flensburg und im Umland über die Warn-Apps „Nina“ und „Katwarn“ aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Gegen 6.30 Uhr war der Brand nach Angaben des Unternehmens mit Schaum weitgehend abgedeckt, die Feuerwehr blieb jedoch bis in die Vormittagszeit vor Ort.

Ursache: Vermutlich Lithium-Akku im Schrotthaufen

Zur genauen Brandursache ermittelt die Polizei. Die Nord-Schrott-Geschäftsführung geht von einem Lithium-Akku als Auslöser aus: Elektroschrott sei aufgrund der enthaltenen Hochleistungs- und Lithiumbatterien grundsätzlich brandgefährdet, wurde erklärt.

Beim betroffenen Haufen habe es sich um Elektroschrott gehandelt, der erst am Montag angeliefert worden sei. „Grundsätzlich liegen hier keine großen Mengen über einen längeren Zeitraum. Das Material, das gebrannt hat, wurde ausschließlich Montag angeliefert“, so die Geschäftsleitung. Der mutmaßliche Akku habe tief im Haufen gelegen und sei nicht von außen sichtbar gewesen.

Akkus im Alltag – und als Risiko im Müll

Nach Unternehmensangaben stammen Teile des Materials aus dem kommunalen Bereich – von Wertstoffhöfen und öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern. Besonders problematisch: In immer mehr Alltagsgeräten sind heute fest eingebaute Akkus verbaut.

„Das betrifft Smartphones, elektrische Zahnbürsten, Rasierer, Akkuschrauber, Gartengeräte, aber auch E-Zigaretten und Vapes“, erläutert Syndikus und Leiter Recht/Personal, Lukas Füllkrug. Viele dieser Lithium-Ionen-Akkus seien nicht ohne Weiteres entnehmbar, die Geräte kämen trotzdem im gemischten Elektroschrott an – obwohl sie eigentlich separat erfasst und behandelt werden müssten.

Im Betrieb selbst würden auffällige Geräte nach Unternehmensangaben per Hand aussortiert. Mitarbeitende entnehmen Akkus und führen sie speziellen Entsorgern zu. „Das ist anstrengende und aufwendige Handarbeit, die viel Geld kostet, aber anders geht es nicht“, sagt Geschäftsführer Georg Müller.

Füllkrug und Müller appellieren deshalb an die Bevölkerung, Akkus und Geräte mit Energiespeichern ordnungsgemäß zu entsorgen. Altgeräte mit Akkus sollten entweder im Handel zurückgegeben oder auf dem Recyclinghof abgegeben werden – mit dem Hinweis, dass ein Akku verbaut ist. „Auch die schwarze Tonne ist nicht der richtige Ort für eine E-Zigarette oder einen alten Akkuschrauber“, so Müller. Immer wieder komme es zu Bränden in Müllfahrzeugen, weil Akkus beim Pressen beschädigt würden.

Brandschutzkonzept und strenge Auflagen

Nach Angaben des Unternehmens ist der Brandschutz auf dem Gelände auf das Risiko durch Akkus ausgerichtet. Elektroschrott werde bewusst außerhalb von Hallen gelagert, abseits von Gebäuden, Maschinen und Arbeitsbereichen. „Falls es zu einem Brand kommt, soll nur der Haufen selbst betroffen sein – keine Menschen und keine Gebäude“, so Müller.

Zudem sind auf dem Gelände Wärmebildkameras installiert, die Temperaturentwicklungen automatisch melden. So sei auch der aktuelle Brand früh erkannt worden. Nord-Schrott übe nach eigenen Angaben regelmäßig mit der Feuerwehr; die Einsatzkräfte hätten Schlüssel und Lagepläne und wüssten, wo sie Wasser entnehmen können.

„Wir sind sehr glücklich, dass die Feuerwehr sich hier vor Ort auskennt“, sagt Müller. „Es soll nicht brennen – aber wenn es doch passiert, dann möglichst kontrolliert.“

Strenge Regeln für die Branche

In sozialen Netzwerken kommt es immer wieder zu vereinzelnden Spekulationen, Recyclingbetriebe könnten Brände nutzen, um Material „billig loszuwerden“. Dies weist Nord-Schrott entschieden zurück. „Wir arbeiten mit modernster Recyclingtechnologie und Sensorik, aber wir arbeiten hier nicht mit Feuer oder Hitze“, betont Müller.

Füllkrug verweist auf die strengen Vorgaben der Branche: Nord-Schrott ist als Erstbehandlungsanlage zertifiziert und wird regelmäßig extern auditiert. Nur wer technische Ausstattung, geschultes Personal und dokumentierte Prozesse für den Umgang mit gefährlichen Stoffen nachweisen könne, dürfe überhaupt entsprechende Mengen annehmen.

Mehr Akkus, mehr Brände

Der Brand in der Nacht zu Dienstag ist nicht das erste Ereignis auf dem Nord-Schrott-Gelände. 2019 hatte es bereits einen größeren Einsatz gegeben, April 2024 kam es an einer Schredderanlage zu einer größeren Verpuffung, ohne dass ein ausgedehnter Brand entstand.

Nach Einschätzung des Unternehmens nimmt das Brandrisiko in der gesamten Entsorgungsbranche zu – vor allem, weil immer mehr Geräte mit Lithium-Akkus im Müll landen. „Es brennt leider immer wieder – bei Müllabfuhren, auf Wertstoffhöfen und in Recyclingbetrieben“, sagt Müller. Man könne das Risiko mit Technik, Schulungen, Brandschutzkonzepten und strengen Abläufen verringern, „aber ganz ausschließen lässt es sich nicht, solange Akkus falsch entsorgt werden.“