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Ein Blick hinter die Kulissen: 75 Jahre NDR-Studio Flensburg – und kaum jemand war je drin

 |  von Thomsen / Foerde.news

Jeder kennt es, kaum einer war je drin. Das NDR-Studio wird 75 - Fotos: Thomsen

Flensburg – Jeder in Flensburg kennt es: das markante NDR-Gebäude an der Ecke Friedrich-Ebert-Straße und Heinrichstraße. Vorn rund, hinten kantig, mit einem turmartigen Aufbau, der an eine Kirche erinnert – ein städtebaulicher Fixpunkt. Wer per Handy gefragt wird, wo er gerade sei, antwortet oft schlicht: „Beim NDR-Gebäude.“

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Doch kaum jemand weiß, wie es drinnen aussieht – obwohl die Türen offenstehen. Hinter dem Eingang mit ein paar Stufen öffnet sich ein schmaler Vorraum, der direkt in den charakteristischen, runden Flur führt. Wer hier zum ersten Mal steht, denkt sofort: alt. „Ja, es ist alt“, sagt Studioleiterin Nadina von Studnitz – und lächelt dabei nicht ohne Stolz.

Ein Jubiläum, das man sehen kann

Am 12. November feiert das Studio Flensburg 75-jähriges Bestehen – in demselben Haus, in dem 1950 alles begann. Das historische Erbe ist überall sichtbar. Im Treppenaus hängt bis heute ein beleuchtetes „RUHE“-Schild aus den Anfangsjahren von der Decke. „Das benutzen wir immer noch, wenn wir auf Sendung sind“, sagt von Studnitz.

Im Fernsehstudio steht ein weiterer Zeitzeuge: ein alter, speziell geformter Moderationstisch, der schon zur ersten Sendung Weihnachten 1950 – „Erinnerung alter Leute“ – genutzt wurde. Heute steht er direkt hinter dem modernen Schneideplatz, wo aktuell die Praktikantin Skrollan Havemeister von der Hochschule Flensburg einen Beitrag bearbeitet. Auch in den Büros finden sich Erinnerungen an frühere Zeiten: An den Wänden hängen historische Radiogeräte mit der Aufschrift „NWDR“ – eine Anspielung auf die „Nordwestdeutsche Radiofunk“.

Zwischen Denkmal und Digitalumbruch

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz – innen wie außen. Für die Redaktion bedeutet das: technische Aufrüstung mit Respekt vor der Geschichte. „Wir können hier räumlich kaum etwas verändern. Kein Platz für Großraumbüros, keine modernen Umbauten“, erklärt von Studnitz. Und doch findet hier hochmoderne Medienarbeit statt. Der Spagat gelingt – mit Engagement und Erfindungsgeist.

Das Redaktionsteam arbeitet längst trimedial. Jeder Beitrag wird so geplant, dass er für Hörfunk, Fernsehen und Online funktioniert. Die Zeiten, in denen Radio- und Fernsehredakteure getrennt arbeiteten, sind vorbei. „Wer hier Hörfunk macht, kann genauso Fernsehstücke produzieren und Online-Texte schreiben“, sagt von Studnitz.

Technik, Vertrauen – und KI


Einst wurde an diesem Reglerpult die Musik gemacht - Foto: NDR
Der Wandel zeigt sich auch in der Technik. Ob Carbon-Stative, Drohnen oder Live-View-Module – alles ist auf Mobilität und Effizienz ausgelegt. Mitarbeitende können sich Kameras und Zubehör eigenständig nehmen, ins Auto steigen und live berichten – selbst von den entlegensten Halligen. Vertrauen ist hier das zentrale Prinzip: „Jeder nimmt sich, was er braucht, und bringt es wieder zurück“, so die Studioleiterin.

Im Fernsehstudio unter dem Deutschen Haus lassen sich mit wenigen Handgriffen Schalten ins ARD-Hauptprogramm realisieren. „Sonntagabend, Robert Habeck live aus Flensburg – das war Standard“, erzählt von Studnitz. Die Technik funktioniert – und sie wird genutzt.

Künstliche Intelligenz ist ebenfalls Teil des Arbeitsalltags. Sie hilft bei der Strukturierung von Texten, bei der Themenrecherche, beim Schneiden. Doch auch hier gilt: mit Maß. „KI kann vorschlagen, aber nicht denken“, betont von Studnitz. Neue Mitarbeitende absolvieren deshalb einen „KI-Führerschein“, bevor sie mit den Tools arbeiten dürfen.

Mehr Region, mehr Verantwortung

Mit der ARD-Strukturreform rücken Studios wie Flensburg stärker in den Fokus. Regionale Themen sind gefragt – nicht nur im NDR, sondern auch bundesweit. „Früher reichte ein Beitrag fürs Schleswig-Holstein Magazin. Heute wollen auch die Tagesthemen unsere Geschichten“, erklärt von Studnitz.

Das Berichtsgebiet reicht von der Nordsee bis zur Ostsee, von der Schlei bis ins dänische Grenzland. Es umfasst Minderheitenarbeit ebenso wie Energiewende, Landwirtschaft, Fachkräftemangel oder Industrieansiedlungen – zuletzt machte ein Flensburger Panzerbauer international Schlagzeilen. Das Studio bringt diese Geschichten ins Programm – fürs Radio, fürs Fernsehen, fürs Netz.

Türen offen für Neugierige

Dass das NDR-Gebäude offensteht, ist kein Zufall. „Wer hier klingelt, kommt meistens auch rein“, sagt von Studnitz. Es gehört zur Philosophie, nahbar zu sein – für Kolleginnen, Kooperationspartner und die Öffentlichkeit.

Doch nicht jeder Wunsch lässt sich erfüllen. „Mit den Rundfunkgebühren haben wir nichts zu tun“, stellt die Studioleiterin klar. Besucher mit GEZ-Fragen erhalten ein eigens vorbereitetes Infoblatt mit Kontakthinweisen – mehr nicht. „Wir sind eine Redaktion, kein Beitragsservice.“

Völlig willkommen hingegen sind Gäste, die einen Blick hinter die Kulissen werfen wollen. „Ich freue mich immer, wenn Menschen sehen wollen, wie wir arbeiten“, sagt von Studnitz.