Challenger“: Vom NASA-Arbeitspferd zur Katastrophe – das Ende einer Raumfähre
| von Thomsen / Foerde.news
Raumfahrt – Die Raumfähre „Challenger“ galt als Arbeitstier der frühen US-Raumfahrt – bis ihr Name am 28. Januar 1986 zum Synonym für eine der schwersten Katastrophen in der Geschichte der NASA wurde. Zwischen April 1983 und Januar 1986 absolvierte der Orbiter mit der internen Bezeichnung OV-099 insgesamt zehn Missionen. 73 Sekunden nach dem Start der Mission STS-51-L zerbrach das Shuttle jedoch in rund 15 Kilometern Höhe; alle sieben Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
Ursprünglich war die Challenger nicht für den Weltraum gedacht. Das Raumfahrzeug wurde zunächst als Testplattform für Belastungs- und Schwingungsprüfungen gebaut. Nach der Fertigstellung im Mai 1977 diente es unter der Bezeichnung STA-099 (Structural Test Article) fast ein Jahr lang strukturellen Tests. Erst ab 1979 entschied die NASA, den Orbiter – anders als den Prototyp Enterprise, der vor allem für Abwurf- und Landetests genutzt wurde – zu einer voll flugfähigen Raumfähre umzurüsten. Im Oktober 1982 war die Challenger für Einsätze im All fertiggestellt; sie erhielt die Kennung OV-099.
Ihren Namen trug die Raumfähre in Anlehnung an das britische Forschungsschiff „Challenger“, das zwischen 1872 und 1876 die Weltmeere befuhr. Auch die Mondlandefähre der Apollo-17-Mission trug diesen Namen – ein Verweis auf Entdeckergeist und wissenschaftlichen Anspruch.
Der Jungfernflug der Challenger startete im April 1983 (Mission STS-6). In den Jahren 1983, 1984 und 1985 folgten jeweils drei weitere Einsätze. Insgesamt verbrachte die Raumfähre 69 Tage im All und umrundete die Erde 987 Mal. Zu den Missionen zählten unter anderem Flüge mit internationaler Beteiligung sowie Einsätze mit prominenter medialer Aufmerksamkeit – darunter auch Missionen mit der Astronautin Sally Ride, der ersten US-Amerikanerin im Weltraum.
Mit dem Start am 28. Januar 1986 sollte die Mission STS-51-L ein weiteres Kapitel routinierter Raumfahrt aufschlagen. Stattdessen kam es kurz nach dem Abheben zur Katastrophe. Als Ursache wurde später das Versagen von Dichtungsringen (O-Ringen) in einer der seitlichen Feststoffraketen ermittelt. Die ungewöhnlich niedrigen Temperaturen am Starttag begünstigten demnach Undichtigkeiten; eine Stichflamme konnte sich durchfressen, die Struktur schwächen und eine Kettenreaktion auslösen. In der Folge löste sich die Feststoffrakete, traf den Außentank – und das Shuttle zerbrach. Es war der bis dahin schwerste Unfall der US-Raumfahrt.
Die geborgenen Wrackteile wurden nach Angaben der Behörden in einem ehemaligen Raketensilo am Startkomplex 31 der Cape Canaveral Space Force Station eingelagert. Jahre später tauchten einzelne Fragmente erneut auf: 1996 wurden zwei Teile nahe Cocoa Beach (Florida) an Land gespült. Im November 2022 fand eine Filmcrew im Atlantik ein rund viereinhalb Meter langes Bruchstück, dessen Echtheit die NASA bestätigte – der erste derartige Fund seit 1996.