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Beschaffungskosten steigen weiter - Stadtwerke müssen Fernwärmepreise und Gewinnprognose anpassen

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Flensburg - Der Arbeitspreis steigt ab April von 80,64 auf 101,36 Euro / MWh - Foto: Thomsen

Die Kosten für Rohstoffe zur Energieproduktion kennen seit längerem nur eine Richtung: Nach oben. Die Preise für Erdgas und CO2-Zertifikate sind seit letztem November nochmals prozentual zwei- bis dreistellig gestiegen. Auch Steinkohle wurde deutlich teurer. Wie viele andere Wärmeversorger und Erdgasanbieter müssen die Stadtwerke wegen der Steigerung der Beschaffungskosten Fernwärmepreise anpassen. Das hohe Preisniveau der Beschaffung beeinflusst auch das Jahresergebnis der Stadtwerke für 2021.

Zum 1. April 2022 werden sich die Fernwärmepreise weiter nach oben entwickeln. Dr. Dirk Wernicke, Geschäftsführer der Stadtwerke, erklärt: „Bereits seit letztem Jahr mussten wir exorbitante Erhöhungen unserer Beschaffungskosten hinnehmen. Dies hat uns auch veranlasst, die Beschaffungsstrategie der Vorjahre an die aktuelle Situation anzupassen. Unabhängig davon wollen wir die hohen Beschaffungskosten nicht 1:1 an unsere Kunden weitergeben, sondern haben nach Lösungen gesucht, um diese Situation erträglicher zu machen. Wir haben entschieden, auf Teile des Gewinns für das Jahr 2021 zu verzichten und die Fernwärmepreise nicht so stark anzupassen, wie dies aus Kostengründen notwendig wäre. Auch liegen wir mit dem Termin 1. April am Ende der Heizperiode, was einen weiter dämpfenden Effekt hat.“

Seit November 2021 gingen die Preise für Erdgas, Kohle und CO2-Zertifikate um teilweise dreistellige Prozentsätze nach oben. Für CO2 war das politisch gewollt. Die Kurve wird hier weiter nach oben steigen. Für Erdgas existieren andere Gründe: Es werden sehr hohe Preise für Flüssiggas (LNG) in Asien bezahlt - mit Auswirkung auf die insgesamt hohen Gaspreise in Europa. Die Kohlepreise steigen ebenfalls aufgrund hoher Nachfrage und der Unsicherheit über die Liefermengen aus Russland, des weltweit drittgrößten Kohleexporteurs. Erschwerend kommt hinzu, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in 2021 deutlich zurückging: 215,4 zu 233,3 Terrawattstunden in 2020. Den Rückgang um rund 8 % haben konventionelle Angebote wie Gas- und Kohlekraftwerke ausgeglichen, was aufgrund der gestiegenen Nachfrage ebenfalls den Preis nach oben trieb.

Das Aussetzen der Genehmigung für die neue Erdgasleitung Nordstream 2 und der Krieg in der Ukraine sind weitere Unsicherheitsfaktoren, die die Märkte dieses Jahr zusätzlich destabilisieren und Einfluss auf die Preise nehmen. Laut Dr. Dirk Wernicke sind die Stadtwerke hier gut aufgestellt: „Wir haben den größten Teil des Erdgasbedarfes für dieses Jahr bereits zu festen Preisen gesichert.“

Trotz aller Optimierungen und Gewinnverzicht muss der Fernwärmepreis aber zum 1. April 2022 um durchschnittlich 18,7 % pro Jahr an das gestiegene Beschaffungspreisniveau und die damit verbundenen höheren Kosten angepasst werden. Das macht bei einer Wohnung durchschnittlich 12 Euro und bei einem Haus 43 Euro pro Monat* aus. Die Stadtwerke werden die Abschläge für ihre Kunden auf Basis der neuen Preise automatisch anpassen.

Wie sich die hohen Beschaffungspreise auf den finalen und testierten Jahresabschluss 2021 auswirken, werden die Stadtwerke im Juni 2022 kommunizieren. Trotz aller oben genannten Einflüsse fällt das vorläufige Ergebnis insgesamt positiv aus. Nach aktuellem Stand wird es mit einem voraussichtlich einstelligen Millionenbetrag aber unter dem ursprünglichen geplanten Jahresabschluss liegen. Da die Stadt Flensburg die Politik der Stadtwerke mitträgt wird sie im Ergebnis auf die Gewinnausschüttung für das Jahr 2021 verzichten.

Unabhängig von den preislichen Rahmenbedingungen ist aufgrund des Ukraine-Krieges und der Unsicherheit der russischen Gaslieferungen auch die Versorgungssicherheit ein Thema, das die Stadtwerke beschäftigt: Aktuell sind noch drei Kohlekessel in Betrieb, so dass weiter Steinkohle zur Energieerzeugung eingesetzt werden kann. Derzeit wird aber auch genügend Erdgas geliefert.

Grundsätzlich könnten die Stadtwerke Flensburg ihre Kohlekessel noch länger mit Steinkohle und auch Ersatzbrennstoffen betreiben und auf Erdgasfahrweisen verzichten. Bei Engpässen ist es theoretisch und praktisch möglich, leichtes Heizöl als Brennstoff einzusetzen. Unabhängig davon erzeugen die Stadtwerke auch heute schon über ihren Elektrodenheizkessel Wärme mit Überschussstrom. Mit dem oben beschriebenen, breiten Brennstoffmix befindet sich die Versorgung Flensburg auf der sicheren Seite.

Die Umstellung der Energieproduktion auf erneuerbare Energien treiben die Stadtwerke auf Basis ihrer aktuellen Strategie ebenfalls voran. Die darin beschriebenen Ziele sind zwar nicht von heute auf morgen umsetzbar, bieten aber eine tragfähige mittelfristige Perspektive für die Unabhängigkeit der Energieversorgung von ausländischen Rohstoffen.

 

 

 

 

 

 

Fernwärme

 

2020/2021

01.11.21

01.04.22

01.04.22 vs  01.11.21

 

 

 

 

 

Euro

%

Grundpreis

Euro/Jahr

534,00

560,70

560,70

0,00

0,0%

Leistungspreis

Euro/kW/Jahr

38,21

38,97

38,97

0,00

0,0%

Arbeitspreis primär

Euro/MWh

68,92

80,64

101,36

20,72

25,7%

Arbeitspreis sekundär

Euro/MWh

70,48

82,46

103,65

21,19

25,7%

 

* Wohnung Verbrauch 7 MWh, Anschluss 5,3 kW, Einfamilienhaus Verbrauch 24,7 MWh, Anschluss 15 kW


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