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Kriminalität im Norden bleibt weitgehend stabil – Polizei meldet hohe Aufklärungsquote
| von Thomsen / Foerde.news
Schleswig-Holstein – Die Polizeidirektion Flensburg zieht für das Jahr 2025 eine insgesamt nüchterne, in Teilen aber auch positive Bilanz. Zwar ist die Gesamtzahl der registrierten Straftaten gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken. Dieser starke Rückgang ist allerdings vor allem ein statistischer Effekt, weil ein großes Betrugsverfahren aus dem Jahr 2024 in Nordfriesland damals mit 18.595 Fällen in die Statistik einging. Rechnet man die außergewöhnlichen Großverfahren der Jahre 2021, 2022 und 2024 heraus, zeigt sich für Flensburg, Schleswig-Flensburg und Nordfriesland ein seit Jahren weitgehend stabiles Kriminalitätsniveau. Zugleich erreichte die Aufklärungsquote 2025 mit 62,7 Prozent den zweitbesten Wert der vergangenen zehn Jahre.
Die Polizeidirektion ist für 471.827 Einwohner zwischen Nord- und Ostsee zuständig, außerdem für einen Abschnitt der A7 bis zum Rendsburger Kreuz. In diesem Raum mit starkem Tourismus und sehr unterschiedlichen Strukturen – von der Stadt Flensburg bis zu den Inseln und Halligen Nordfrieslands – fällt auch die Kriminalitätsbelastung regional sehr verschieden aus.
Besonders deutlich wird das in der Stadt Flensburg. Dort blieb die Zahl der registrierten Straftaten mit 8.723 Fällen praktisch auf Vorjahresniveau, nur 31 Fälle mehr wurden gezählt. Die Aufklärungsquote sank leicht um 0,8 Punkte auf 64,9 Prozent und lag damit dennoch auf dem zweithöchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Auffällig ist, dass Flensburg trotz seiner Rolle als Oberzentrum mit Nachtleben, Einkaufsverkehr und starker Anziehungskraft auf das Umland 2025 die niedrigste Häufigkeitszahl der vergangenen zehn Jahre verzeichnete. Mit 9.056 Straftaten je 100.000 Einwohner steht die Stadt im Vergleich mit Kiel, Lübeck und Neumünster sogar am günstigsten da.
In einzelnen Deliktsfeldern zeigt sich in Flensburg ein gemischtes Bild. Die Sexualdelikte gingen im zweiten Jahr in Folge zurück, von 171 auf 150 Fälle. Bei schweren Sexualdelikten stieg die Aufklärungsquote auf 100 Prozent. Noch deutlicher fiel der Rückgang beim sexuellen Missbrauch von Kindern aus: Die Zahl der Fälle sank von 30 auf 16, die Aufklärungsquote stieg auf 93,8 Prozent. Auch bei den Rohheitsdelikten, also vor allem Raub- und Körperverletzungsdelikten, gab es eine Entlastung. Sie gingen um 108 Fälle auf 1.786 zurück. Die Raubdelikte sanken das zweite Jahr in Folge auf 82 Fälle und damit auf den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre.
Weniger eindeutig fällt das Bild bei Vermögensdelikten in Flensburg aus. Die Zahl der Diebstähle stieg leicht auf 3.349 Fälle. Immerhin erreichte die Polizei dabei mit 48,9 Prozent die höchste Aufklärungsquote der vergangenen zehn Jahre. Wohnungseinbrüche gingen auf 94 Fälle zurück und lagen damit auf dem zweitniedrigsten Stand im Zehnjahresvergleich. Ladendiebstähle nahmen um 97 Fälle auf 1.295 ab, zugleich stieg die Aufklärungsquote auf 94,1 Prozent.
Im Kreis Schleswig-Flensburg setzte sich 2025 ein eher stabiles Gesamtbild fort. Die Zahl der Straftaten stieg leicht auf 9.513 Fälle, die Aufklärungsquote erreichte mit 65,9 Prozent den besten Wert der vergangenen zehn Jahre. Positiv wertet die Statistik den Rückgang bei Körperverletzungen und bei gefährlicher sowie schwerer Körperverletzung. Dagegen erreichten die Raubdelikte mit 66 Fällen den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Auch bei den Sexualdelikten liegt das Niveau weiterhin hoch, wenngleich die Gesamtzahl mit 238 Fällen leicht rückläufig war. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern stieg die Zahl auf 45 Fälle, zugleich erreichte die Aufklärungsquote in diesem Bereich mit 95,6 Prozent einen Höchstwert.
Im Kreis Nordfriesland ist die Lage erneut nur mit Vorsicht zu bewerten. Die Statistik war in den vergangenen Jahren durch außergewöhnlich große Betrugsverfahren massiv verzerrt. Ohne diese Sondereffekte zeigt sich aber auch hier ein über Jahre recht konstantes Niveau. Für 2025 weist die bereinigte Statistik 8.827 Fälle aus. Die Aufklärungsquote lag bei 57 Prozent. Gleichzeitig registrierte die Polizei in Nordfriesland in mehreren Gewaltbereichen neue Höchststände im Zehnjahresvergleich. Die Rohheitsdelikte stiegen auf 1.794 Fälle, die Körperverletzungen auf 1.127 und die gefährliche oder schwere Körperverletzung auf 244 Fälle. Auch die Raubdelikte nahmen auf 52 Fälle zu.
Bei den Sexualdelikten meldet Nordfriesland dagegen einen Rückgang von 206 auf 173 Fälle. Die schweren Sexualdelikte sanken im dritten Jahr in Folge auf 20 Fälle, alle wurden aufgeklärt. Sorge bereitet allerdings der sexuelle Missbrauch von Kindern: Hier stieg die Zahl auf 32 Fälle und damit auf den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Zugleich fiel die Aufklärungsquote auf 78,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert in diesem Zeitraum.
Ein gesonderter Blick gilt besonderen Kriminalitätsfeldern. Im Bereich der Kinderpornografie im Internet registrierte die Polizeidirektion 2025 in Flensburg 33 Fälle, in Schleswig-Flensburg 51 und in Nordfriesland 34. In Flensburg und Nordfriesland lag die Aufklärungsquote bei 100 Prozent, in Schleswig-Flensburg bei 90,2 Prozent. Die Polizei hat diesen Bereich organisatorisch neu aufgestellt und dafür seit September 2024 ein eigenes Kommissariat geschaffen.
Auch Messerangriffe bleiben ein relevantes Thema. 2025 wurden 246 solcher Taten registriert, 196 davon wurden aufgeklärt. Die Statistik weist 277 Opfer und 190 Tatverdächtige aus. Gewalt gegen Polizeibeamte war dagegen leicht rückläufig. Gezählt wurden 246 Fälle nach 258 im Vorjahr. 546 Polizeibeamte wurden dabei Opfer von Gewalt, 75 von ihnen wurden verletzt.
Auffällig bleibt außerdem die Kriminalität zum Nachteil älterer Menschen. So stieg die Zahl der Anrufe, bei denen sich Täter als Polizeibeamte ausgaben, von 189 auf 295. Die sogenannten Schockanrufe gingen dagegen von 545 auf 347 zurück. Hinzu kommt ein großer Block von Straftaten mit vermutetem Handlungsort im Ausland. 2025 wurden 3.988 solcher Fälle registriert, darunter 3.619 Vermögens- und Fälschungsdelikte und allein 3.481 Betrugsfälle. Die Polizei betont, dass diese Delikte wegen der besonderen Zählweise nicht einfach zur normalen PKS addiert werden können, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung aber dennoch stark beeinträchtigen.
Insgesamt wurden im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion 11.645 Tatverdächtige erfasst, darunter 8.659 Männer und 2.986 Frauen. 2.450 Tatverdächtige waren jünger als 21 Jahre, 2.914 hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Als Opfer von Straftaten registrierte die Polizei 7.437 Menschen, etwas weniger als im Vorjahr. 4.283 davon waren Männer. Mehr als die Hälfte der Opfer von Sexualdelikten war jünger als 21 Jahre. Die Zahl der Opfer von Partnerschaftsgewalt ging leicht von 1.039 auf 1.031 zurück. Im Bereich familiärer Gewalt stieg sie dagegen von 445 auf 507 und erreichte damit den zweithöchsten Stand der vergangenen fünf Jahre.
Unter dem Strich beschreibt die Kriminalstatistik für den Norden also keine dramatische Verschärfung der Lage, sondern vor allem eine stabile Entwicklung mit deutlichen regionalen Unterschieden. Während Flensburg in mehreren Bereichen Rückgänge verzeichnet und Schleswig-Flensburg mit einer hohen Aufklärungsquote punktet, fallen in Nordfriesland vor allem steigende Gewaltzahlen ins Gewicht. Die Polizei selbst wertet die hohe Aufklärungsquote als Erfolg – mahnt aber zugleich, dass Statistik nie das vollständige Bild zeigt und gerade Anzeigebereitschaft, Dunkelfeld und langwierige Ermittlungen die Zahlen beeinflussen.