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Internationale Polizisten bei Verkehrskontrollen in Flensburg: Viele Unterschiede – und ebenso viele Gemeinsamkeiten
| von Thomsen / Foerde.news
Flensburg – Polizisten aus mehreren Ländern haben am Samstagabend gemeinsam mit Einsatzkräften aus Schleswig-Holstein Verkehrskontrollen im Flensburger Raum begleitet. Von 19 Uhr bis gegen 2 Uhr in der Nacht wurden insgesamt 420 Fahrzeuge überprüft. Dabei stellten die Beamten zahlreiche Verstöße fest, darunter Trunkenheit am Steuer, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Für die internationalen Gäste des Polizeisymposiums „Flensburg on Patrol“ bot der Abend zugleich einen unmittelbaren Einblick in den deutschen Kontrollalltag.

Mit vollem Körpereinsatz ist der englische Polizist Paul Kasper bei der Sache
An mehreren Stellen im Flensburger Stadtgebiet standen am Samstagabend Polizeifahrzeuge, Warnleuchten und Kontrollteams. Kontrolliert wurde unter anderem in der Werftstraße auf Höhe der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG), bei HBK nahe dem Förde Park, in Kauslund im Bereich der Schnellrestaurants sowie am Friedenshügel bei der BOA.
Zwischen den Einsatzkräften aus Schleswig-Holstein waren dabei immer wieder Uniformen zu sehen, die sonst nicht zum Flensburger Straßenbild gehören. Polizisten aus Dänemark, Finnland, Belgien, England und Japan begleiteten ihre deutschen Kollegen, beobachteten die Abläufe und beteiligten sich an den Kontrollen.
Die Aktion war Teil des internationalen Polizeisymposiums „Flensburg on Patrol“, das vom 18. bis 25. August bereits zum zweiten Mal in Flensburg stattfindet. Insgesamt sind 18 Polizisten aus elf Ländern zu Gast. Die Teilnehmer kommen aus Belgien, Dänemark, Finnland, Island, Japan, den Niederlanden, Norwegen, Spanien, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten.
Organisiert wird die Veranstaltungswoche von der International Police Association, kurz IPA. Ziel ist es, unterschiedliche Polizeisysteme kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und internationale Kontakte zu knüpfen. Nach mehreren Besichtigungen und Trainingseinheiten während der Woche rückte am Samstag der praktische Polizeialltag in den Mittelpunkt.
420 Fahrzeuge in sieben Stunden kontrolliert
Wie eine Sprecherin der Regionalleitstelle Nord in Harrislee auf Nachfrage mitteilte, wurden während der nächtlichen Aktion insgesamt 420 Fahrzeuge kontrolliert.
Dabei fertigten die Beamten neun Strafanzeigen. In fünf Fällen bestand für ein Fahrzeug kein erforderlicher Versicherungsschutz. Eine weitere Strafanzeige wurde wegen Trunkenheit im Straßenverkehr aufgenommen. Zweimal stellten die Beamten fest, dass Personen ein Fahrzeug führten, obwohl sie nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis waren. In einem weiteren Fall wurde bei einer kontrollierten Person ein Betäubungsmittel gefunden.
In den entsprechenden Fällen wurde die Weiterfahrt untersagt.

Auch bei HBK auf dem Hof wurden Fahrzeuge kontrolliert
Hinzu kamen 32 Anzeigen im Ordnungswidrigkeitenbereich. Eine genaue Aufschlüsselung der einzelnen Verstöße lag der Regionalleitstelle zunächst nicht vor. Nach Angaben der Sprecherin befand sich darunter jedoch mindestens ein Fall, bei dem ein Fahrzeug unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln geführt worden sein soll.
Außerdem wurde im Verlauf der Kontrollen ein E-Scooter sichergestellt.
Damit blieb es für die internationalen Besucher nicht bei theoretischen Beispielen. Sie erlebten eine reale Kontrollnacht mit tatsächlichen Verstößen und konnten unmittelbar beobachten, wie deutsche Beamte Verdachtsmomente überprüfen, Fahrzeuge technisch kontrollieren und weitere Maßnahmen einleiten.
Dänische Kadetin entdeckt Unterschiede bei Drogentests

Die dänische Polizeikadetin Emma war begeistert von der Arbeiter ihrer deutschen Kollegen
An der Kontrollstelle bei HBK nahe dem Förde Park war unter anderem die 23-jährige Emma aus Dänemark eingesetzt. Die Polizeikadetin arbeitet normalerweise bei der Grenzpolizei in Padborg und kennt die Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen bereits aus ihrem beruflichen Alltag.
Ihr Schwerpunkt liegt dort auf Grenzarbeit, Pass- und Zugkontrollen. Trotz der unmittelbaren Nähe zwischen Flensburg und Padborg stellte sie am Samstagabend Unterschiede bei der praktischen Polizeiarbeit fest.
Besonders interessant fand sie den Umgang mit möglichen Drogenfahrten.
In Dänemark werde bei einem Verdacht unter anderem auf körperliche Auffälligkeiten und die Reaktion der Pupillen geachtet. Zudem komme dort ein Speicheltest zum Einsatz. In Flensburg beobachtete sie dagegen zusätzliche Gleichgewichts- und Koordinationstests.
Ein System hält sie deshalb nicht für besser als das andere.
„Ich denke, das ist genauso gut und genauso effektiv“, sagte sie über die deutschen Kontrollmethoden. Die Verfahren seien in den jeweiligen Ländern so entwickelt worden, dass sie zu den dortigen Anforderungen passten.
Gerade diese Unterschiede seien für sie der besondere Reiz der Woche. Immer wieder gebe es Momente, in denen man feststelle: „Ah, so macht ihr das.“
Auch der Besuch der Regionalleitstelle Nord in Harrislee war für die Dänin interessant. Zwar gebe es vergleichbare Einrichtungen auch in ihrer Heimat, doch die internen Arbeitsabläufe seien teilweise anders organisiert. An ihrer eigenen Dienststelle werde beispielsweise stärker gemeinsam an einem Tisch gearbeitet und unmittelbar Rücksprache gehalten.
„Eine Woche hier – Erfahrungen wie in einem Monat“

Der finnische Polizist wollte nicht mit dem Gesicht in die Presse, da in Finnland noch eine andere Laufbahn anstrebt
Gemeinsam mit Emma war der 37-jährige Henrik Savolainen aus Finnland an der Kontrollstelle nahe dem Förde Park unterwegs.
Auch er zeigte sich von der Arbeit der deutschen Polizei beeindruckt.
„Die deutsche Polizei arbeitet sehr gründlich und überprüft viele Dinge“, sagte Savolainen während der Kontrolle.
Für ihn ist die Reise nach Schleswig-Holstein vor allem wegen der Vielzahl an Eindrücken außergewöhnlich. Innerhalb weniger Tage lernten die Teilnehmer zahlreiche Bereiche der Polizeiarbeit kennen.
„Wir sind nur eine Woche hier, aber wir erleben Dinge, für die man sonst vielleicht einen Monat bräuchte“, beschrieb er seine Eindrücke.
Savolainen arbeitet in Finnland im Bereich Migration beziehungsweise Ausländerangelegenheiten. Viele Grundstrukturen der Polizeiarbeit seien mit denen in Deutschland vergleichbar. Funktechnik, Leitstellen und organisatorische Abläufe wiesen teilweise deutliche Ähnlichkeiten auf.
Besonders wertvoll sei für ihn deshalb der persönliche Kontakt zu Kollegen aus anderen Ländern. Die während des Aufenthalts geknüpften Verbindungen wolle er auch nach seiner Rückkehr nach Finnland weiter pflegen.
Zu den Höhepunkten der Woche zählte für ihn der Besuch bei der Bereitschaftspolizei. Dort erhielten die internationalen Gäste unter anderem die Möglichkeit, sich mit dem Einsatz eines Wasserwerfers vertraut zu machen und diesen selbst auszuprobieren. Eine Gelegenheit, die Savolainen in Finnland bislang nicht hatte.
Japanischer Polizist zieht Blicke auf sich

Der japanische Polizist fiel wohl am meisten auf unter den Gästen - Einige dachten bestimmt das er Cosplay macht
Für Kei Osawa ist die Reise in besonderer Weise eine Premiere. Der 42-Jährige arbeitet an der Hadano Police Station in der japanischen Präfektur Kanagawa. Flensburg ist für ihn nicht nur der erste Aufenthalt in Deutschland, sondern zugleich seine erste Reise nach Europa.
Schon die Stadt selbst habe ihn beeindruckt. Die historischen Gebäude und die Umgebung seien für ihn deutlich anders als das, was er aus Japan kenne.
Noch deutlicher wurden die Unterschiede für ihn beim Blick auf die Polizeiarbeit. Besonders die Ausstattung der deutschen Beamten fiel Osawa auf. Zwar tragen auch japanische Polizisten eine Schusswaffe, nach seinen Angaben ist diese jedoch mit lediglich fünf Patronen geladen. Schon daran werde deutlich, dass sich die Ausstattung von derjenigen deutscher Polizisten unterscheidet.
Auch zusätzliche Einsatzmittel sorgten bei dem Japaner für Interesse. Reizstoffsprühgeräte, wie sie deutsche Beamte mitführen, gehörten bei seiner Polizei nicht zur üblichen Ausstattung. Gleiches gelte bislang für Bodycams. Osawa zeigte sich deshalb beeindruckt von der Vielzahl der Einsatzmittel, die den deutschen Beamten zur Verfügung stehen. Einige davon könne er sich auch für den Polizeialltag in Japan vorstellen.
Bereits am Vormittag hatte Osawa bei der gemeinsamen Fußstreife durch Flensburg zahlreiche Blicke auf sich gezogen. In seiner japanischen Sommeruniform war er in der Innenstadt und am Hafen unterwegs.
Mit Humor berichtete der 42-Jährige später, dass manche Passanten möglicherweise gedacht hätten, seine Uniform sei eine Verkleidung oder „Cosplay“. Tatsächlich trug er seine ganz normale Dienstkleidung.
Gerade diese Begegnungen mit den Menschen und das gemeinsame Arbeiten mit Polizisten aus verschiedenen Ländern seien für ihn besonders interessant gewesen.
Belgien setzt stärker darauf, Kontrollierte im Auto zu lassen
Auch Sam Van Loo aus Belgien erkannte bei der Verkehrskontrolle viele Gemeinsamkeiten mit seinem Heimatland. Grundsätzlich seien die Abläufe ähnlich.
Einen Unterschied stellte er jedoch beim Umgang mit den kontrollierten Autofahrern fest.
„Bei uns bleiben die Menschen aus Sicherheitsgründen normalerweise im Fahrzeug“, erklärte Van Loo. Erst wenn beispielsweise ein Test durchgeführt werden müsse, würden sie zum Aussteigen aufgefordert.
In Deutschland habe er dagegen beobachtet, dass kontrollierten Personen teilweise mehr Bewegungsfreiheit gelassen werde.
Gerade solche Details seien für ihn interessant, weil sie zeigen, wie unterschiedlich Sicherheitskonzepte trotz vergleichbarer Aufgaben umgesetzt werden können.
Auch Van Loo erinnerte sich besonders an den Besuch bei der Polizeischule und an die Möglichkeit, einen Wasserwerfer selbst auszuprobieren. Eine solche Gelegenheit habe er in Belgien bislang nicht gehabt.
Bemerkenswert fand er zudem die Rolle der International Police Association in Deutschland. Die IPA sei hier aus seiner Sicht stärker in den Polizeialltag eingebunden und unter Kollegen sichtbarer als in Belgien. Diesen Gedanken wolle er mit in seine Heimat nehmen.
Englischer Polizist legt sich für die Kontrolle unter ein Auto
Besonders großen Einsatz zeigte am Samstagabend Paul Kasper aus England. Der 40-Jährige war bei der Kontrolle keineswegs nur Beobachter.
Als bei einem Fahrzeug die Auspuffanlage näher überprüft wurde, legte sich Kasper kurzerhand auf den Boden, um selbst einen Blick unter das Auto zu werfen.
Die Szene zeigte, mit welchem Eifer sich manche der internationalen Gäste in die praktische Arbeit einbrachten.
Gerade die technischen Fahrzeugkontrollen waren für Kasper von besonderem Interesse. Er wollte wissen, wie die deutsche Polizei mit Umbauten, veränderten Fahrzeugteilen und den Anforderungen des TÜV umgeht.
„Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Kontrollen hier im Vergleich zum Vereinigten Königreich funktionieren“, sagte Kasper.
Dabei waren es nicht nur die großen Unterschiede, die ihm auffielen. Besonderes Interesse weckte ein vergleichsweise unscheinbares Hilfsmittel: der beleuchtete Anhaltestab mit der Aufschrift „Halt Polizei“.
So etwas kenne er aus seiner täglichen Arbeit in England nicht. Dort müssten Beamte bei vergleichbaren Kontrollen in gut sichtbarer Warnkleidung arbeiten und Fahrzeuge mit klaren Armzeichen aus dem Verkehr herausleiten.
Ein beleuchteter Anhaltestab, der bereits aus größerer Entfernung deutlich macht, dass ein Fahrer stoppen soll, erschien ihm als praktische Lösung.
Linksverkehr sorgt für Aha-Moment
Auch beim Anhalten von Fahrzeugen zeigte sich, wie stark alltägliche Routinen vom jeweiligen Heimatland geprägt sind.
Kasper berichtete, dass er sich zunächst automatisch am britischen Linksverkehr orientiert habe. Im Gespräch mit einem deutschen Kollegen habe er beschrieben, wie er ein Fahrzeug einweisen würde.
Erst dabei sei ihm bewusst geworden, dass dies in Deutschland genau auf die falsche Straßenseite geführt hätte.
Was für einen britischen Beamten selbstverständlich ist, kann wenige Ländergrenzen weiter genau verkehrt sein. Auch solche vermeintlich kleinen Unterschiede machten den fachlichen Austausch für die Teilnehmer interessant.
Unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel
Auffällig war bei den Gesprächen, dass keiner der internationalen Gäste versuchte, das eigene System grundsätzlich über das deutsche zu stellen.
Vielmehr ging es darum zu verstehen, warum bestimmte Abläufe unterschiedlich organisiert sind.
Die Unterschiede reichen von Drogentests über die technische Fahrzeugkontrolle bis hin zur Frage, ob kontrollierte Personen im Auto bleiben, welche Ausrüstung Beamte tragen oder mit welchen Mitteln Fahrzeuge aus dem fließenden Verkehr herausgeholt werden.
Gleichzeitig wurden viele Gemeinsamkeiten deutlich. Ob Finnland, Dänemark, Belgien, England, Japan oder Deutschland – im Kern geht es überall darum, Gefahren zu erkennen, Verstöße festzustellen und Kontrollen möglichst sicher durchzuführen.
Wie dieses Ziel erreicht wird, hängt jedoch von den jeweiligen Gesetzen, der Ausbildung, der technischen Ausstattung und der über Jahre gewachsenen Praxis eines Landes ab.
Fachlicher Austausch – und Gespräche am Grill
Die Verkehrskontrollen am Samstagabend waren für viele Teilnehmer einer der unmittelbarsten Programmpunkte der gesamten Woche. Statt Vorträgen oder Besichtigungen standen echte Verkehrsteilnehmer, reale Fahrzeuge und der tatsächliche Kontrollalltag im Mittelpunkt.
Mit 420 kontrollierten Fahrzeugen, neun Strafanzeigen, 32 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und einem sichergestellten E-Scooter bekamen die internationalen Gäste dabei einen umfangreichen Einblick in eine Flensburger Kontrollnacht.
Doch bei aller Polizeiarbeit zeigte sich während der Woche auch, dass internationaler Austausch nicht nur während Einsatztrainings und Verkehrskontrollen stattfindet.
In einem Punkt herrschte bei den Gästen jedenfalls nahezu uneingeschränkte Einigkeit: Das gemeinsame Barbecue am Abend zuvor war bei den Beteiligten besonders gut angekommen.
Zwischen Wasserwerfer, Leitstelle, Polizeischule und Verkehrskontrolle blieb damit auch Zeit für persönliche Gespräche. Und möglicherweise waren es gerade diese ungezwungenen Begegnungen am Grill, bei denen aus Kollegen aus elf verschiedenen Ländern ein Stück weit eine gemeinsame Polizeigemeinschaft wurde.
